Die Bergbaubranche hat auf der diesjährigen PDAC in Toronto ein deutliches Signal gesendet: Nach Jahren mit vergleichsweise geringer Aufmerksamkeit verzeichnete die weltweit größte Mining-Konferenz einen neuen Besucherrekord. Nach Angaben der Veranstalter kamen 32.155 Teilnehmer aus aller Welt nach Kanada – die höchste Zahl in der 94-jährigen Geschichte der Veranstaltung. Die Rekordkulisse unterstreicht, dass Rohstoffe und Bergbau in einem Umfeld starker Metallpreise, geopolitischer Spannungen und wachsender Nachfrage nach kritischen Mineralien wieder stärker im Fokus stehen.
Vier Tage lang trafen sich im Metro Toronto Convention Centre Bergbauunternehmen, Investoren, Regierungsvertreter, Vertreter indigener Gemeinschaften sowie Nachwuchskräfte und Studierende. Im Mittelpunkt standen Netzwerktermine, Finanzierungs- und Investitionsgespräche sowie ein umfangreiches Konferenzprogramm. PDAC-Präsidentin Karen Rees sprach in diesem Zusammenhang von einer „spürbaren Energie“ auf dem Event. Rückenwind lieferten nach ihrer Einschätzung starke Rohstoffmärkte und ein wachsendes Verständnis in Politik und Öffentlichkeit dafür, wie entscheidend Mineralien für Wirtschaftswachstum, Elektrifizierung, Verteidigung und moderne Technologien sind.
PDAC setzt neue Maßstäbe: größte Ausstellung und volle Hallen
Neben der Rekordzahl an Teilnehmern stellte die PDAC auch bei der Messefläche neue Bestmarken auf. Die begleitende Ausstellung zählte mehr als 1.300 Aussteller und war damit so groß wie nie zuvor. Für Unternehmen aus Exploration, Entwicklung, Produktion und Dienstleistung ist die Messe traditionell eine zentrale Plattform, um Projekte vorzustellen, Kontakte zu Kapitalgebern zu knüpfen und Partnerschaften anzubahnen.
Dass die PDAC in dieser Größenordnung stattfindet, gilt vielen Marktbeobachtern als Stimmungsbarometer. In den vergangenen Jahren stand die Minenbranche an den Kapitalmärkten häufig im Schatten anderer Sektoren. Die neue Rekordkulisse wird deshalb als Hinweis verstanden, dass das Thema Rohstoffe – von Edelmetallen über Basismetalle bis hin zu kritischen Materialien – wieder breiter diskutiert wird.
Gleichzeitig berichten einige Beobachter von einem interessanten Kontrast: Trotz voller Hallen und viel Aktivität sei die tatsächliche Markstimmung nicht überall euphorisch gewesen. Vielmehr habe sich in Gesprächen und Panels gezeigt, dass ein Teil des Kapitals zwar zurück in den Sektor fließt, viele Generalisten und auch Privatanleger jedoch weiterhin zögern.
Kapital fließt – doch viele Anleger beobachten noch von der Seitenlinie
In einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz sagte eine Portfoliomanagerin, sie habe den Eindruck, dass viele Investoren derzeit vor allem Informationen sammeln, bevor sie größere Positionen im Sektor aufbauen. Diese Einschätzung passt zu einem weiteren Argument, das auf der PDAC zu hören war: Weil sowohl Mining-Aktien als auch breite Aktienindizes in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gestiegen sind, fürchten manche generalistische Anleger, „zu spät“ einzusteigen und nahe am Hoch zu kaufen.
Die Gegenposition, die von vielen Marktprofis vertreten wird, lautet: Der Sektor habe zwar einen Teil der Erholung bereits hinter sich, bewege sich aber noch nicht in der Nähe eines Endstadiums. Die mehrjährige Schwächephase im Bergbau – teils als über ein Jahrzehnt dauernder Bärenmarkt beschrieben – habe tiefe Spuren in den Portfolios hinterlassen. Selbst nach kräftigen Preisbewegungen bei einzelnen Metallen sei die Kapitalallokation vieler Anleger in Minenwerte noch vergleichsweise niedrig.
„Unterinvestiert“ und „Wall of Worry“: Warum Profis noch Spielraum sehen
In dieses Bild passt auch die Aussage eines Marktkommentators, der auf der PDAC betonte, dass viele Anleger zwar die erste große Aufwärtsbewegung bei Gold verpasst hätten, aber nicht zwingend die nächste. Unabhängig davon, ob man diese Meinung teilt, spiegelt die Aussage eine verbreitete Sicht wider: Gold- und Rohstoffmärkte können in Zyklen laufen, und selbst nach starken Anstiegen sind Anschlussbewegungen möglich – insbesondere dann, wenn die Marktpositionierung noch nicht voll aufgebaut ist.
Andere Kommentatoren erwarten, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis generalistische Investoren wieder stärker in den Sektor zurückkehren. Er beschrieb die aktuelle Lage als klassische „Wall of Worry“: Der Markt steigt, während Skepsis und Vorsicht den Ton angeben. In solchen Phasen müsse es oft nicht viel geben – etwa ein weiterer Preisschub bei Rohstoffen oder ein stärkerer Zufluss in Rohstofffonds – um die Zögernden zu aktivieren.
Die PDAC-Rekordzahlen liefern damit zwei Botschaften gleichzeitig: Erstens wächst das Interesse an Rohstoffen und Mining wieder sichtbar, nicht zuletzt, weil Regierungen und Industrie die strategische Rolle von Metallen für Energiewende, Infrastruktur und Sicherheit zunehmend betonen. Zweitens bleibt die Anlegerpsychologie differenziert: Während Brancheninsider, spezialisierte Fonds und Unternehmen bereits aktiver sind, warten viele breite Anlegergruppen noch ab.
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