Wer beim Lithium vor allem an Smartphones und Elektroautos denkt, der denkt zwar richtig, aber gleichzeitig auch ein wenig zu kurz. Denn das Lithium ist zwar das „weiße Gold“ der Energiewende und deshalb ist es für Smartphones und E-Autos momentan auch unverzichtbar. Doch seine Bedeutung reicht weit über diesen irdischen Bereich hinaus.
Was viele nicht wissen ist, dass das Lithium auch im Weltraum der entscheidende Faktor für die Energieversorgung ist. Ohne Lithium-Ionen-Akkus wäre ein Satellit im Erdschatten so nützlich wie ein Briefbeschwerer. Es bedarf somit auch im All großer Batterien, die sicherstellen, dass Satelliten und Raketen verschattete Zonen gefahrlos durchfliegen können.
Bei den Lithiumvorkommen stehen das südamerikanische „Lithium-Dreieck“ und Australien im Fokus
Lithium wird hauptsächlich auf zwei Arten gewonnen, einmal aus Salzseen, den sogenannten Solen und in den Hochebenen der Anden, hier vor allem in den Ländern Chile, Argentinien und Bolivien. Sie stellen das südamerikanische Lithium-Dreieck dar, gelten als rechtssichere Jurisdiktionen und bieten für westliche Firmen den großen Vorteil, dass diese Regionen auch politisch stabil sind.
Daneben kann Lithium auch aus Festgestein, den sogenannten Spodumen gewonnen werden. Diese Vorkommen sind vor allem für Australien typisch, werden aber auch in Afrika angetroffen. Jede dieser beiden Vorkommen hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Während die Gewinnung von Lithium aus Salzseen langwierig ist, ist der Abbau im Gestein teurer, aber schneller.
Die Raumfahrt schätzt das Lithium vor allem aus zwei Gründen
In der Raumfahrt wird Lithium zweifach geschätzt: Wie auf der Erde steht auch hier die Batterietechnik im Fokus: Satelliten und die Internationale Raumstation ISS nutzen hocheffiziente Lithium-Ionen-Batterien, um die Sonnenenergie für jene Phasen zu speichern, in denen die Sonne nicht scheint.
Firmen wie Saft, eine Tochter von TotalEnergies, oder Tesla, das an dieser Stelle seine Aufträge von der Elon-Musk-Firma SpaceX erhält, treiben hier die Entwicklung voran. Dabei ist eine Verbindung zu beobachten, die aus der Luft- und Raumfahrttechnik schon seit einiger Zeit bekannt ist: Zunächst werden die benötigten Innovationen für den Weltraum bzw. für das Militär geschaffen. Nach einiger Zeit stehen sie aber auch für zivile Anwendungen zur Verfügung.
Das zweite Einsatzgebiet des Lithiums in der Raumfahrt neben den Batterien sind spezielle Legierungen. Vor allem Aluminium-Lithium-Legierungen sind heute der heilige Gral des Leichtbaus. Sie sind nochmals leichter als reines Aluminium und werden für die riesigen Treibstofftanks der Falcon-9-Rakete oder des Space Launch System (SLS) der NASA verwendet.
Auch beim Lithium ist die Geopolitik eine nicht zu unterschätzende Komponente
Der Kampf um die noch unerschlossenen Vorkommen und Minen ist auch beim Lithium längst entbrannt. China hat die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt und sich rechtzeitig den Zugriff auf weltweite Lithium-Vorkommen gesichert, was dem Westen heute ernsthafte Kopfschmerzen bereitet.
Die USA und die Europäische Union versuchen nun verzweifelt, mit dem Reich der Mitte gleichzuziehen und eigene Lieferketten aufzubauen, um nicht auch bei diesem strategischen Metall vollkommen von Peking abhängig zu sein. Diese Erkenntnis kam zwar spät, aber sie kam und sie ist heute der Treiber, der die Entwicklung vieler Lithiumprojekte im Westen bzw. kontrolliert von westlichen Firmen weiter vorantreibt.
Wer das Titan kontrolliert, der bestimmt wer überhaupt in den Weltraum fliegen kann und wer die Batterietechnik kontrolliert, bestimmt, wie lange und wie weit wir im All operieren können. Lithium und Titan haben damit eine große Gemeinsamkeit: Bei beiden strategischen Metallen findet derzeit ein geostrategisches Rennen statt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und die politische Abhängigkeit.