Die chinesischen Referenzpreise für Seltenen Erden sind in diesem Jahr um rund 40% gestiegen. Auslöser für diesen Anstieg war unter anderem der Einstieg des Pentagons beim US-amerikanischen Bergbauunternehmen MP Materials im Juli. Von den höheren Preisen profitieren auch angehende Seltene-Erden-Produzenten wie Ucore Rare Metals (TSXV: UCU, OTCQX: UURAF, WKN: A2QJQ4). Das Unternehmen errichtet in Louisiana seine erste RapidSXTM-Anlage, um hier im kommerziellen Maßstab Seltene Erden-Oxide herzustellen.
Insbesondere geht es Ucore um so genannte schwere Seltene Erden, die u.a. für die Herstellung von Dauermagneten unverzichtbar sind. Wer als Industrieunternehmen über sie nicht verfügt, ist von bestimmten Märkten faktisch ausgeschlossen. Zum Einsatz kommen die hergestellten Dauermagnete u.a. in Elektrofahrzeugen, Windrädern aber auch in militärischen Anwendungen.
An diese Stelle wird schnell deutlich, warum der sino-amerikanische Gegensatz nicht nur eine handelspolitische Dimension hat, sondern auch geostrategischer Natur ist, denn wer in der Lage ist, den Zugang zu diesen Elementen zu steuern, der regelt auch den Zugang seiner Konkurrenten zu wichtigen militärischen und zivilen Märkten.
US-Verteidigungsministerium verfolgt mit Unterstützung von MP Materials und Ucore Rare Metals eine klare Strategie
Als das US-Verteidigungsministerium im Juli seinen Einstieg bei MP Materials, dem einzigen Seltene Erden-Produzenten Nordamerikas, vollzog, wurde damit auch das Ringen um die Seltenen Erden auf eine neue Stufe gehoben, denn zuvor hatte das US-Unternehmen Raffinerien in China mit den von ihm geförderten Seltenen Erden beliefert. Das Beratungsunternehmen Adamas schätzt, dass MP Materials vor dem Einstieg des Pentagons mit seinen Lieferungen für etwa sieben bis neun Prozent der chinesischen Versorgung stand.
Diese Lieferkette wurde in der Zwischenzeit vollständig getrennt, denn das US-Verteidigungsministerium will, dass die Verarbeitung der Erze in Zukunft in den USA selbst erfolgt. Aus diesem Grund war eine Bedingung für den Einstieg des Pentagons bei MP Materials, dass das Unternehmen seine Exporte in die Volksrepublik in Zukunft einstellt.
Statt ins Reich der Mitte geliefert zu werden, sollen die Erze zukünftig in den USA selbst raffiniert werden. Durch den Aufbau von eigenen Raffineriekapazitäten wollen die Vereinigten Staaten mittelfristig die chinesische Dominanz bei den Seltenen Erden brechen. Die Strategie ist sinnvoll, denn aktuell kontrolliert China bei den Seltenen Erden zwar „nur“ ungefähr 70 Prozent der Fördermenge, aber extrem hohe ~90 Prozent der weltweiten Verarbeitungskapazitäten.
Weil die Industrie nicht die Ausgangsmaterialien benötigt, sondern die verarbeiteten Endprodukte, hat China somit faktisch die gesamte globale Industrie in seiner Hand. Wer von den chinesischen Raffinerien nicht beliefert wird, scheidet praktisch aus dem Weltmarkt aus und kann seine Produktion einstellen.
Preise reagieren empfindlich auf die jüngsten Veränderungen
Da es an dieser Stelle faktisch um das wirtschaftliche Überleben oder Sterben geht, reagieren die betroffenen Unternehmen äußerst empfindlich auf die Veränderungen am Markt. Ablesen lässt sich diese Empfindlichkeit u.a. auch am Preis. Noch vor nicht allzu langer Zeit sorgte eine langanhaltende Preisschwäche dafür, dass viele Selten-Erden-Projekte im Westen nicht wirtschaftlich waren und eingestellt wurden.
So naheliegende diese Entscheidungen auf betriebswirtschaftlicher Ebene waren, so verheerend wirkten sie sich auf volkswirtschaftlicher Ebene auf, denn die ohnehin vorhandene Abhängigkeit des Westens von China bei den Seltenen Erden wurde nicht verringert, sondern konserviert und verstärkt. Erst seit die westlichen Staaten aktiv gegensteuern und teilweise höhere Preise für Seltene Erden durchsetzen, gewinnt der Prozess hin zu mehr Unabhängigkeit von China wieder an Fahrt.
Während sich die Produzenten seitdem an deutlich höheren Preisen erfreuen, sind die Hersteller der Dauermagnete und Windräder besorgt. Sie fürchten, dass ihre Gewinnmargen durch die höheren Einkaufspreise für die Seltenen Erden leiden könnten.
Nur eine eigene Seltene Erden-Produktion sichert langfristig die Unabhängigkeit von China
Letztlich können aber auch sie mit den höheren Preisen sehr viel besser leben als mit einem chinesischen Exportstopp. Ein solcher wurde im April im Rahmen des Zollstreits von Beijing als Waffe eingesetzt und führte dazu, dass wie gesagt in der Automobilproduktion die Fabriken teilweise stillstanden, weil die benötigten Produkte aus dem Reich der Mitte nicht zur Verfügung standen.
Für die westliche Industrie sind Seltene Erden aus China – auch wenn es preiswerter ist – nichts anderes als eine gefährliche Droge. Sie nicht nehmen zu müssen, weil eigene Produktionsstätten und Raffinerien zur Verfügung stehen, ist deshalb der Königsweg. Auf ihm stellt die RapidSX-Anlage von Ucore Rare Metals einen äußerst wichtigen Schritt dar.

Denn kann in Louisiana im kommerziellen Maßstab gezeigt werden, dass eine von China unabhängige, technisch überlegene eigene Seltene Erden-Produktion in den USA möglich ist, ist der Bann gebrochen und die Basis für eine dauerhafte Unabhängigkeit von China gelegt. Das weiß auch das Pentagon in Washington. Deshalb hat man hier nicht gezögert, bislang 22,4 Mio. USD in die Hand zu nehmen, um Ucore Rare Metals beim Aufbau der Anlage zu unterstützen.
Für Ucore ist diese Entscheidung nicht nur eine Art Ritterschlag, der die internationale Bedeutung des Projekts unterstreicht, sondern mit der Unterstützung und dem Geld des US-Verteidigungsministeriums im Rücken können auch die anspruchsvollen unternehmerischen Entscheidungen, die in Zukunft noch anstehen, leichter gefällt werden. Denn Ucore weiß, dass es den Kampf gegen die chinesische Übermacht nicht alleine antritt, sondern einen mächtigen Verbündeten an seiner Seite hat. Diese Entwicklung ist dem Markt nicht verborgen geblieben. Aktuell notiert die Ucore-Aktie in der Nähe von 4,00 CAD und damit eines 5-Jahreshochs!