Nach Einschätzung von JP Morgan könnte der Goldpreis bereits im kommenden Jahr die Schwelle von 5.000 US-Dollar je Feinunze überschreiten. Bis Ende 2026 sieht das Institut einen möglichen Korridor von 5.200 bis 5.300 US-Dollar. Als wesentliche Stütze identifiziert der Vermögensverwalter die anhaltenden Käufe von Zentralbanken, insbesondere aus Schwellenländern. Diese Nachfrage habe den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre maßgeblich mitgeprägt und dürfte den Markt weiter beeinflussen – auch wenn sich die Kaufdynamik angesichts gestiegener Preise phasenweise abschwächen könne.
Zentralbanken als stützende Säule für Gold
Gold spielt in den Devisenreserven vieler Notenbanken – vor allem in Emerging Markets – weiterhin eine vergleichsweise kleine Rolle. Genau das ist aus Sicht von JP Morgan ein Argument für zusätzliche Allokationen: Mehrere Länder erhöhen den Anteil des Edelmetalls schrittweise, um Reserven zu diversifizieren und sich weniger abhängig von US-zentrierten Finanzstrukturen zu machen. Nach Branchendaten wurden den staatlichen Tresoren in den zwölf Monaten bis September 634 Tonnen Gold hinzugefügt. Für das Gesamtjahr 2025 wird ein Band von 750 bis 900 Tonnen an Nettozukäufen genannt. Treiber dieser Entwicklung waren zuletzt vor allem China sowie Länder wie Polen, die Türkei und Kasachstan.
Hintergrund der Bewegungen sind zum einen wachsende Haushaltsüberschüsse in einzelnen Schwellenländern, die reinvestiert werden müssen. Zum anderen bleibt Gold für Währungshüter ein Instrument zur Absicherung gegen Währungs- und Kreditrisiken. JP Morgan betont dabei, dass der US-Dollar nicht „ersetzt“ werde; vielmehr gehe es um eine graduelle Verschiebung, bei der ein größerer Anteil zukünftiger Mittel Gold zufließt. In Summe entsteht so ein stetiger, struktureller Nachfragepfeiler, der den Goldmarkt auch in Phasen schwächerer Investmentzuflüsse stützt.
Gold: Von Rekordhoch zur Konsolidierung
Der Goldpreis (XAU/USD) hatte Ende Oktober ein neues Rekordniveau oberhalb von 4.380 US-Dollar je Unze markiert, bevor es in den darauffolgenden Wochen zu Gewinnmitnahmen kam. Seit dem Hoch am 29. Oktober liegt die Notierung rund 6 % niedriger, auf Jahressicht jedoch weiterhin deutlich im Plus – das Edelmetall verzeichnete in diesem Jahr einen Zuwachs von mehr als 50 %. Die Analysten der JP Morgan Private Bank ordnen die jüngste Korrektur als Teil eines dynamischen, aber intakten Aufwärtstrends ein, dessen Fundament breiter geworden ist: Neben den Zentralbanken bleibt Gold als „Sicherer Hafen“ in einem Umfeld mit Unsicherheiten rund um Staatsfinanzen, Währungen und Konjunktur ein gefragter Vermögenswert.
Die von JP Morgan skizzierten Niveaus – über 5.000 US-Dollar im kommenden Jahr und 5.200 bis 5.300 US-Dollar bis Ende 2026 – zählen zu den optimistischeren Szenarien am Markt, liegen aber im Spektrum anderer Häuser: Auch andere Banken halten eine Fortsetzung des Aufwärtstrends für möglich und sehen bis 2026 Preise in der Nähe der 5.000-Dollar-Marke. Die Bandbreite der Prognosen unterstreicht, wie sensibel Gold auf makroökonomische Variablen reagiert – von den Realzinsen über Wechselkurse bis zu geopolitischen Risikoprämien.
Investoren und Devisenreserven: Warum mehr Mittel in Gold fließen könnten
Neben den Notenbanken rückt die Positionierung institutioneller und privater Anleger in den Blick. Nach Einschätzung von JP Morgan ist der Goldanteil in vielen Portfolios trotz des Anstiegs der vergangenen Monate weiterhin überschaubar. Schon eine moderate Erhöhung – etwa wenn mehr Anleger strategisch bis zu rund fünf Prozent in Gold halten – könnte zusätzliche, spürbare Nachfrage erzeugen. Diese These stützt sich auf zwei Entwicklungen: Erstens die Suche nach Diversifikation in einem Marktumfeld, in dem Aktien- und Anleihekurse phasenweise positiv korrelieren; zweitens fortdauernde Diskussionen über die Werthaltigkeit von Fiat-Währungen und die Rolle realer Vermögenswerte als Ausgleich.
Für Gold bedeutet das: Die Nachfragebasis verbreitert sich. Auf der einen Seite sorgen regelmäßige Zentralbankkäufe für einen stabilen Grundbedarf an physischem Metall. Auf der anderen Seite können ETF-Zuflüsse, Terminmarktpositionierungen an Börsen wie der COMEX und Käufe im Privatkundensegment die Preisbildung kurzfristig beschleunigen oder abbremsen. In Summe ergibt sich ein Zusammenspiel aus struktureller Nachfrage und taktischen Bewegungen, das den Weg zu höheren Niveaus öffnen könnte – ohne eine geradlinige Entwicklung zu garantieren.
Für die weitere Entwicklung des Goldpreises bleiben mehrere Variablen entscheidend. Dazu zählen die Richtung der US-Realzinsen, die Kursentwicklung des US-Dollars, die globale Inflationsdynamik sowie fiskal- und geopolitische Faktoren. Sollten die Realrenditen fallen oder sich die Währungs- und Haushaltsdebatten verschärfen, stärkt dies historisch die Attraktivität von Gold. Umgekehrt kann ein Umfeld steigender Realzinsen, ein festerer Dollar oder eine Normalisierung geopolitischer Risiken den Rückenwind dämpfen.
Unabhängig von kurzfristigen Schwankungen ist Gold in den vergangenen Jahren stärker in den Mittelpunkt institutioneller Allokationsentscheidungen gerückt – eine Entwicklung, die sich laut JP Morgan fortsetzen könnte. Die Kombination aus Zentralbankkäufen, potenziell höheren Portfolioquoten und der Rolle des Edelmetalls als Reserve- und Diversifikationsbaustein liefert das Narrativ hinter den genannten Preiszielen.