Industriehunger & ETF-Boom: So treibt das Angebotsdefizit die Silber-Rallye

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Silber hat 2025 eine starke Rallye hingelegt – und nach Ansicht von Sprott-Managerin Maria Smirnova ist diese Entwicklung vor allem das Ergebnis eines sich seit Jahren aufbauenden Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage. Gegenüber dem Branchendienst Kitco News betonte die Chief Investment Officer von Sprott Asset Management, dass die aktuellen Preisbewegungen weniger ein kurzfristiges Phänomen sind, sondern die Folge eines anhaltenden Defizits am physischen Silbermarkt.

Silbermarkt im Dauerdefizit – sinkende Minenproduktion, steigende Nachfrage

Für Smirnova liegt der entscheidende Wendepunkt der aktuellen Bewegung im Frühsommer: „Der wichtige Zeitpunkt war im Juni, als Silber die Marke von 35 US-Dollar überschritten hat“, sagt sie. Dahinter stehen aus ihrer Sicht mehrere Jahre struktureller Knappheit.

Seit rund sieben Jahren befindet sich der Silbermarkt in einem fundamentalen Angebotsdefizit. Die Minenproduktion ist in den vergangenen zehn Jahren nach ihren Angaben um etwa 80 Millionen Unzen zurückgegangen. Die jährliche Gesamtversorgung liege derzeit bei rund einer Milliarde Unzen – für einen globalen Rohstoffmarkt eine vergleichsweise geringe Größe. „Wenn die Förderung über Jahre sinkt, zeigt das, dass wir keine neuen großen Silberminen finden und in Betrieb nehmen“, so Smirnova.

Parallel dazu hat sich die Nachfrage deutlich erhöht. Treiber sind vor allem industrielle Anwendungen:

  • Elektronik und Halbleiter
  • Solarindustrie – Photovoltaik-Anlagen gelten als besonders silberintensiv
  • Elektromobilität
  • Rechenzentren und KI-Infrastruktur, die immer mehr Strom- und Datenleitungen benötigen

Mit der fortschreitenden Elektrifizierung und Digitalisierung entsteht aus Sicht der Sprott-Managerin ein stetig wachsender Bedarf an Silber, dem die Angebotsseite nicht hinterherkommt. Das Defizit habe sich über Jahre aufgebaut – jetzt schlage es sich zunehmend in der Preisentwicklung nieder.

Physische Engpässe: Von London nach New York – und weiter nach China

Lange Zeit wurde dem strukturellen Defizit entgegengehalten, dass die Lagerbestände über dem Boden hoch seien. Doch auch hier zeichnet sich laut Smirnova eine Trendwende ab. Sie verweist auf Bestände an den großen Handelsplätzen wie der London Bullion Market Association (LBMA), der COMEX in New York sowie den Börsen in Shanghai.

In den vergangenen Jahren seien diese Lagerbestände Schritt für Schritt zurückgegangen. 2025 kam eine weitere Verschiebung hinzu: Aus Furcht vor möglichen Zöllen seien erhebliche Mengen Silber von London nach New York verlagert worden. Gleichzeitig hätten steigende Bestände silbergedeckter ETFs zusätzlich Metall aus dem Londoner Markt gezogen. Die Folge: ein spürbarer Engpass in der britischen Drehscheibe des Edelmetallhandels.

Inzwischen hat sich der Fokus der Anspannung verlagert. Smirnova verweist auf knapper werdende Bestände in China – aus ihrer Sicht besonders relevant, weil dort ein großer Teil des industriellen Verbrauchs stattfindet. „Solar ist in meinen Augen besonders wichtig, denn dort werden die Paneele produziert“, sagt sie. Die Solarindustrie verbrauche über 200 Millionen Unzen Silber pro Jahr, also etwa 20 % des Angebots. Wenn in China die Lagerbestände schwinden, treffe das genau den Ort, an dem das Metall in großen Mengen benötigt werde.

Silber als monetäres Metall – und kleiner Markt mit großer Hebelwirkung

Neben seiner Rolle als Industriemetall sieht Smirnova Silber weiterhin zur Hälfte als monetäres Metall – in einer ähnlichen Funktion wie Gold. Entsprechend reagiert der Preis empfindlich auf Makrofaktoren wie Zinsentwicklung, Währungsbewegungen und Risikoappetit der Investoren.

Mit der Erwartung weiterer Zinssenkungen der US-Notenbank, Diskussionen über erneute Anleihekaufprogramme (QE) und einem schwächeren US-Dollar hätten Gold und Silber zuletzt Rückenwind erhalten. Gleichzeitig habe der Rückgang bei Kryptowährungen die Aufmerksamkeit wieder stärker auf klassische monetäre Werte gelenkt. „Es gibt eine zunehmende Erkenntnis, dass Gold und Silber die monetären Metalle und realen Geldwerte sind“, so Smirnova.

Hinzu kommt die geringe Marktgröße: Bei einem Jahresangebot von rund einer Milliarde Unzen und aktuellen Rekordpreisen entspreche der Wert der Jahresproduktion lediglich etwa 60 Milliarden US-Dollar. „Das ist nichts. Es braucht nicht viel Kapital, um den Silberpreis zu bewegen“, sagt sie.

Einen erheblichen Beitrag leistet aus ihrer Sicht der ETF-Sektor. Von Januar bis heute seien mehr als 100 Millionen Unzen in westliche Silber-ETFs geflossen – in Relation zur globalen Produktion ein relevanter Anteil. Zum Vergleich: Eine große Silbermine fördert nach ihrer Darstellung typischerweise 10 bis 20 Millionen Unzen pro Jahr. Der Angebotsrückgang von 80 Millionen Unzen in den vergangenen zehn Jahren entspreche damit grob der Schließung oder Ausbeutung mehrerer großer Minen.

Produzenten unter Druck: Wenige neue Silberminen, Fokus auf Gold

Während die Nachfrage nach Silber in Industrie und Investmentbereich zunimmt, hat sich die Angebotsseite strukturell verändert. In den Jahren mit niedrigeren Silberpreisen um 20 US-Dollar pro Unze sei es für viele Produzenten schwieriger gewesen, profitabel zu arbeiten. Zahlreiche Unternehmen hätten deshalb ihren Schwerpunkt auf Gold verlagert – durch Zukäufe von Goldminen oder Exploration in goldfokussierten Projekten.

In der Folge seien einige vormals reine Silberproduzenten zu Gold-Silber-Unternehmen geworden. Neue große Silberminen seien kaum in Betrieb genommen worden. In diesem Jahr sei deshalb eine zunehmende Aktivität bei Übernahmen zu beobachten, so Smirnova: Drei bis vier M&A-Transaktionen hätten sich auf den Erwerb von Silber-Lagerstätten und -Minen konzentriert. Das Angebot an qualitativ hochwertigen Projekten sei jedoch begrenzt.

Die Rückkehr zu einer stärker silberorientierten Projektpipeline werde Zeit brauchen. Smirnova verweist auf typische Vorlaufzeiten von fünf bis zehn Jahren für Genehmigung, Finanzierung und Bau neuer Minen. Kurzfristig werde die Angebotsseite daher wenig Spielraum haben, um auf hohe Preise zu reagieren.

Ausblick: Silberpreis hängt an China-Importen und Investorenverhalten

Für die weitere Entwicklung des Silbermarktes stellt sich aus Sicht von Sprott die zentrale Frage, ob China in ausreichendem Umfang Silber importieren kann, um den industriellen Bedarf zu decken. Entscheidend sei, wer aktuell als „marginaler Verkäufer“ auftrete: London, COMEX-Bestände in New York oder möglicherweise Schweizer Tresore, falls Investoren höhere Preise zur Realisierung von Gewinnen nutzten.

Trotz bereits erreichter Allzeithochs zeigt sich Sprott im mittelfristigen Horizont weiterhin positiv gegenüber Silber. Smirnova zitiert dabei die Einschätzungen externer Marktstrategen: Paul Wong, Marktstratege bei Sprott, sehe charttechnisch zunächst Kursziele im Bereich von 60 bis 63 US-Dollar je Unze. Ein weiterer Analyst, Michael Oliver, erwarte sogar deutlich höhere Spannen im dreistelligen Bereich in den kommenden Quartalen.

Smirnova betont, dass es sich dabei nicht um ihre eigenen Prognosen handele, sondern um externe Szenarien. Gleichwohl machten sie deutlich, dass viele Marktteilnehmer die aktuelle Preisentwicklung als Ergebnis eines langjährigen Anpassungsprozesses an ein strukturelles Defizit interpretieren.

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