An der Wall Street gilt Ray Dalio als einer der erfolgreichsten und bekanntesten Großinvestoren. Was der Milliardär und Hedgefondsmanager sagt und tut hat deshalb Gewicht und findet allgemein Beachtung. Aktuell sieht Ray Dalio für 2025 eine Risikolage, die beispiellos ist und das Drehbuch für eine „perfekte“ Wirtschaftskrise bieten könnte.
Die US-Wirtschaft sieht Ray Dalio am Rande einer Krise, wie es sie seit den 1930er Jahren nicht mehr gegeben hat. Eine gefährliche Konvergenz aus untragbaren Schulden, sich vertiefenden politischen Spaltungen und eskalierenden geopolitischen Spannungen hat zu dem geführt, was der Milliardär als einen „Paradigmenwechsel“ für die Märkte bezeichnet.
Die US-Staatsverschuldung beträgt 122 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA und die US-Regierung hat Zinszahlungen zu leisten, die so hoch sind, dass sie die Verteidigungsausgaben übersteigen. Damit wächst die Gefahr, dass die finanzielle Stabilität der USA nicht mehr gegeben ist.
Ein toxischer Mix entfaltet seine Wirkung
Während sich dieses Problem von Monat zu Monat verschärft, weil sich die US-Staatsverschuldung alle drei Monate um eine weitere Billion US-Dollar erhöht, ist das Vertrauen in die US-Regierung auf einen historischen Tiefstand gesunken. Die Beziehungen zu China, einem der wichtigsten US-Gläubiger und Handelspartner, haben einen Tiefpunkt erreicht. Sie bedrohen wichtige Handelsrouten und globale Lieferketten. Das verschärft die Lage zusätzlich.
Für Ray Dalio markiert diese dreifache Krise das Ende eines langjährigen Schuldenzyklus und es beginnt eine neue Ära. Sie ist als Übergangszeit voller Unsicherheiten. An dieser Stelle ist es wichtig, auf Ray Dalios konzeptionellen Rahmen für das Verständnis von Krisen einzugehen. Krisen basieren seiner Ansicht nach auf drei Faktoren: Schuldenzyklen, internen Konflikten und externen Konflikten.
In diesem Jahr erreichen alle drei Faktoren zeitgleich einen neuen Höhepunkt, denn neben den Schulden und den externen Konflikten kennzeichnet die USA auch eine gefährliche innere Zerrissenheit. Eine solche Konstellation ist zwar eher selten dafür aber extrem gefährlich. Vor knapp 100 Jahren am Beginn der Weltwirtschaftskrise sah sich die Welt letztmalig mit einer derart schwierigen Konstellation konfrontiert.
Ray Dalio warnt, dass solche Ungleichgewichte historisch immer durch schmerzhafte Maßnahmen wie Inflation, Sparmaßnahmen oder sogar Zahlungsausfälle gelöst wurden. „Die Verschuldungssituation ist gefährlich und untragbar“, mahnt er und unterstreicht damit die Schwere der finanziellen Lage der USA. Der Milliardär geht davon aus, dass die Ära der von den USA angeführten Globalisierung faktisch vorbei ist und die Finanzmärkte nun geopolitische Risiken einpreisen, die einst nur als Hintergrundgeräusche galten.
Gold und Goldminen als Antwort auf die Krisen unserer Zeit
Ray Dalios Firma Bridgewater Associates hält in ihrem Portfolio inzwischen bedeutende Positionen in Gold-ETFs und Bergbauaktien. In dieser Anlageentscheidung spiegelt sich wider, dass das Gold historisch gesehen als zuverlässige Absicherung gegen Währungsabwertungen, Marktinstabilität und geopolitische Risiken sehr gut funktioniert hat.
Die Logik dieses doppelten Votums für das Gold kann gut nachvollzogen werden. Wenn Angst und Panik in einer Krise überhandnehmen, greifen die Anleger früher oder später zum Gold. Das lässt dessen Preis stark ansteigen und während nahezu alle Branchen unter dem schlechten und immer schlechter werdenden Umfeld leiden, erwirtschaften die Goldproduzenten dank der hohen Margen solide Umsätze und hohe Gewinne.
Reagieren die Privatanleger auch dieses Mal wieder sehr spät?
Viele Kleinanleger treibt derzeit die Frage um, ob es sinnvoll ist, in die tief gefallenen Stars der hinter uns liegende letzten Börsenrallye zu investieren, beispielsweise die Magnificent 7 oder die KI-Aktien. Optisch sehen die Kurse in der Tat einladend aus. Doch werden die Favoriten der Vergangenheit auch die Outperformer der Zukunft sein?
Ein Blick in die Börsengeschichte mahnt an dieser Stelle zur Vorsicht. Am Ende der 1960er Jahre waren die Nifty-Fifty-Aktien in aller Munde und heiß begehrt. In den 1970er Jahren liefen jedoch die Energiewerte und die Aktien der Gold- und Silberproduzenten wesentlich besser, während die Nifty-Fifty-Aktien zu Ladenhütern mutierten. Ein ähnliches Schicksal erlebten die Telekommunikationsaktien am Ende der 1990er Jahre. Damals stieg eine Telekom in der Spitze auf über 120 Euro an, ein Kurs von dem der Wert auch heute noch meilenweit entfernt ist.
Diese Aufzählung lässt sich noch eine Weile fortsetzen. Entscheidend ist nicht, welche Branche aus welchem Grund dieses Schicksal ereilt hat, sondern die Erkenntnis, dass an der Börse die Favoriten der Anleger immer wieder wechseln. Die Erfahrung zeigt, dass viele Privatanleger auf diese Favoritenwechsel des smarten Geldes erst recht spät, manchmal sogar viel zu spät aufmerksam werden.
Sie trauen dem Braten nicht und kaufen diese Aktien oftmals erst in einer späteren, reiferen Phase des neuen Börsenzyklus, wenn die Kurse schon recht gut gelaufen sind. Helfen kann an dieser Stelle, Investmentgrößen wie Ray Dalio nicht aus den Augen zu verlieren und ihrem Beispiel frühzeitig zu folgen und nicht erst dann, wenn die Spatzen das neue Börsenthema schon von allen Dächern pfeifen.