Gold zwischen Sommerflaute und Fed-Entscheid – Showdown?

Gold Barren Stapel warm glänzend

Stand: 22.08.2025 von Florian Grummes

Seit über vier Monaten bewegt sich der Goldpreis auf hohem Niveau in einer engen Seitwärtsrange zwischen grob gesagt 3.200 und 3.400 US-Dollar und konsolidiert damit die zuvor erzielten spektakulären Kursanstiege. Auf der Unterseite sorgte zuletzt schon ein Tiefpunkt bei 3.268 US-Dollar für eine starke Erholung, während die Bullen im Bereich zwischen 3.400 und 3.450 US-Dollar immer wieder scheiterten.

Insgesamt zieht sich die Konsolidierung in die Länge, aber die Anzeichen verdichten sich, dass eine Richtungsentscheidung in den kommenden Wochen bevorstehen könnte.

Kurzfristig rückt jedoch das bedeutende Notenbank-Treffen in Jackson Hole in den Fokus der Märkte. In Wyoming wird Fed-Chef Jerome Powell seine letzte große Rede halten, in der er sowohl die künftige US-Zinsstrategie als auch sein persönliches Vermächtnis skizzieren dürfte.

Die US-Notenbank steht dabei vor einer historischen Entscheidung: Entweder steigen die Lebenshaltungskosten weiter rasant, oder es sind massive Einschnitte bei Sozialleistungen und Verteidigung erforderlich, die eine Depression auslösen könnten – ganz nach dem altbekannten Dilemma

„Geld drucken oder Revolution riskieren.“

Die Fed ringt zudem um ihre Unabhängigkeit, da US-Präsident Donald Trump seit Monaten vehement Zinssenkungen fordert und plant, Powell nach Ablauf seiner Amtszeit im kommenden Jahr durch eine ihm genehmere Person zu ersetzen. Diese Offensive hat weltweit Besorgnis bei den Währungshütern ausgelöst und Befürchtungen genährt, dass die Unabhängigkeit der Zentralbanken – ein wichtiger Faktor zur Eindämmung der Inflation – untergraben werden könnte.Nichtsdestotrotz gehen die Märkte laut CME Group mit rund 83 Prozent Wahrscheinlichkeit von einer Zinssenkung im September aus.

Während der Goldmarkt seit Wochen in der üblichen Sommerflaute feststeckt und die tägliche Handelsspanne zuletzt auf 10 bis 15 US-Dollar geschrumpft ist, könnte das Treffen in Jackson Hole die Volatilität wieder anfachen, da die Finanzmärkte nach neuen Signalen suchen, die eingepreist werden können.

Trumps Friedensbemühungen führten nur kurzzeitig zu einem leichten Rücksetzer beim Goldpreis, da die Märkte bislang kaum an den Erfolg seiner Diplomatie glauben – zu widersprüchlich erscheinen die Forderungen Russlands und der Ukraine.

Nur ein echtes Friedensabkommen könnte die „Kriegsprämie” im Goldpreis auflösen. Angesichts der unvereinbaren Positionen kam US-Präsident Trump offenbar zu dem Schluss, dass er den Konflikt nicht lösen kann. Dieser muss von Europa und der Ukraine selbst gelöst werden.

Gold in US-Dollar – Tageschart: Bollinger Band Squeeze zeichnet sich ab

Nachdem sich der Goldpreis vom Tiefpunkt am 30. Juli bei 3.268 US-Dollar dynamisch bis auf 3.409 US-Dollar erholen konnte, übernahmen in den vergangenen zwei Wochen wieder die Bären das Kommando. Schrittweise drückten sie die Notierungen bis auf 3.311 US-Dollar, ehe die Bullen am vergangenen Mittwoch eine erste Gegenreaktion wagten.

Gold Preis US-Dollar TageschartGold in US-Dollar, Tageschart vom 22. August 2025. © GOLD.DE

Kurz vor der Rede von Jerome Powell am Freitagnachmittag präsentiert sich der Goldmarkt insgesamt in einer Patt-Situation. Der Preis pendelt weiterhin um die leicht nachgebende 50-Tage-Linie (3.345 US-Dollar). Unterhalb von 3.355 Punkten liegt der Vorteil eher bei den Bären, während oberhalb von 3.375 Punkten sofort die runde Marke von 3.400 US-Dollar ins Visier rückt.Spätestens ein Anstieg über 3.425 US-Dollar dürfte wohl den Ausbruch nach oben und damit das Ende der viermonatigen Konsolidierungsphase signalisieren.

Schon seit Mitte Juni verlaufen die Bollinger-Bänder auf Tagesbasis nahezu parallel, was auf eine bevorstehende Bandbreitenverengung (Bollinger Band Squeeze) hindeutet. Diese Phase geht üblicherweise mit einer kräftigen Trendbewegung nach oben oder unten einher. Angesichts des übergeordneten Aufwärtstrends spricht vieles für einen Ausbruch in Trendrichtung.

Dennoch bergen die traditionell schwierigen Börsenmonate September und Oktober auch Risiken für eine temporäre Abwärtsbewegung, um möglicherweise alle schwachen Hände rechtzeitig vor dem nächsten Anstieg abzuschütteln.

Allerdings würde erst ein klarer Bruch des unteren Bollinger-Bandes (3.281 US-Dollar) dieses bärische Szenario bestätigen. Solange dieser Fall nicht eintritt, dürften Rücksetzer eher eine Bärenfalle darstellen und sich als Kaufgelegenheiten entpuppen.

Auf der Oberseite definiert das obere Bollinger Band bei 3.405 US-Dollar die Bandbreite.

Idealerweise rutscht die Tages-Stochastik in den kommenden Tagen noch bis in den überverkauften Bereich und liefert damit wieder antizyklisches Kaufsignal.

Konklusion: Gold – Sommerflaute und Fed-Entscheid – der Showdown naht

Der Goldmarkt steckt seit Monaten in einer ungewöhnlich engen Seitwärtsphase zwischen ca. 3.200 und 3.400 US-Dollar fest. Trotz mehrerer Anläufe konnten die Bullen die Widerstandszone bislang nicht überwinden, während die Bären den Preis zwar wiederholt nach unten drückten, aber keine nachhaltige Trendwende erzwingen konnten. Die Konsolidierung zieht sich damit weiter in die Länge, doch die Charttechnik signalisiert, dass eine Richtungsentscheidung bevorsteht.

Kurzfristig richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf Jackson Hole und die Rede von Jerome Powell. Mit den anstehenden geldpolitischen Weichenstellungen könnte das Treffen als Katalysator dienen, um die seit Wochen aufgestaute Energie im Goldpreis zu entladen.

Ein Anstieg über 3.425 US-Dollar dürfte den Ausbruch nach oben bestätigen, während ein Bruch der Unterstützung bei 3.275 US-Dollar das bärische Szenario aktiviert.In beiden Fällen ist mit einer deutlichen Zunahme der Volatilität zu rechnen.

Angesichts des intakten übergeordneten Aufwärtstrends sprechen die Wahrscheinlichkeiten für einen Ausbruch nach oben. Rücksetzer bis in den Bereich der unteren Bollinger-Bänder sind dabei zunächst als Kaufchancen zu werten.

Gelingt schließlich der Befreiungsschlag über das Allzeithoch bei 3.500 US-Dollar, ist die Konsolidierungsphase endgültig abgeschlossen und die nächste Etappe der übergeordneten Hausse kann beginnen. Dabei sollte der Goldpreis als nächstes die Marke von ca. 4.000 US-Dollar anpeilen.

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