Der Goldpreis zeigt nach Einschätzung des Edelmetall- und Raffineriedienstleisters Heraeus weiterhin eine Konsolidierungsphase. Nach Rekordständen Ende Dezember bewege sich der Markt aktuell eher seitwärts in einer klar abgegrenzten Handelsspanne, statt einen ausgeprägten Auf- oder Abwärtstrend auszubilden. Damit bleibt der Goldpreis zwar auf hohem Niveau stabil, zugleich rücken jedoch kurzfristige Belastungsfaktoren und mittel- bis langfristige Unterstützungsargumente stärker in den Vordergrund.
Als ein naheliegender Gegenwind wird ein stärkerer US-Dollar genannt. Ein fester Dollar kann den Goldpreis in anderen Währungen teurer machen und damit die Nachfrage in Teilen des Marktes bremsen. Heraeus verweist jedoch zugleich auf den Blick nach vorn: Viele Marktteilnehmer rechnen im Jahresverlauf mit Zinssenkungen, die den Goldpreis tendenziell stützen können. Erwartet werde dabei, dass die ersten Schritte frühestens im Juni erfolgen. Für das zweite Halbjahr seien dann drei oder mehr Zinssenkungen möglich. In diesem Spannungsfeld – Dollarstärke auf der einen, Aussicht auf sinkende Zinsen auf der anderen Seite – erklärt Heraeus das aktuelle Seitwärtsmuster als nachvollziehbar.
Goldpreis und Angebot: Ghana steigert Produktion auf 187 Tonnen – Royalty-Debatte nimmt Fahrt auf
Während sich der Goldpreis konsolidiert, liefert die Angebotsseite neue Schlagzeilen. Heraeus berichtet, dass Ghana seine Goldproduktion im vergangenen Jahr auf 187 Tonnen erhöht hat. Damit habe das Land seine Position als größter Goldproduzent Afrikas gefestigt. Darüber hinaus sieht Heraeus die Möglichkeit, dass Ghana künftig sogar die USA überholen und zum fünftgrößten Goldförderland weltweit aufsteigen könnte.
Der Produktionsanstieg wird in der Analyse vor allem auf ein deutlich höheres Volumen aus dem Bereich Artisanal and Small-Scale Mining zurückgeführt, also handwerklicher und kleingewerblicher Förderung. Die Produktion der großen Minen sei dagegen weitgehend stabil geblieben. Zudem führt Heraeus an, dass das Anlaufen neuer Minen – etwa bei Newmont Gold mit Ahafo North – rückläufige Gehalte an anderer Stelle ausgleichen könne. In Summe entsteht so ein Bild, in dem Ghana einerseits von zusätzlicher Förderung profitiert, andererseits aber zugleich mit den typischen Herausforderungen reiferer Distrikte umgehen muss.
Steigende Preise setzen dabei nicht nur Anreize für höhere Produktion, sondern verändern auch die politische Diskussion über die Verteilung der Erträge. Heraeus verweist darauf, dass die ghanaische Regierung eine Gesetzgebung prüft, die die Gold-Royalty von einer pauschalen Abgabe auf einen variablen Satz von 5% bis 12% umstellen würde – abhängig vom Goldpreis. Diese Überlegung habe große Produzenten enttäuscht. Um die Belastung abzufedern, habe der Finanzminister angeboten, eine andere Bergbauabgabe um zwei Prozentpunkte zu senken. Kurzfristig könnte ein höheres Royalty-Aufkommen die Staatsfinanzen stützen. Heraeus weist jedoch auch auf die Kehrseite hin: Steigende Steuer- und Abgabenquoten können Investitionen dämpfen und damit langfristig auf Produktion und staatliche Einnahmen zurückwirken.
Silber zieht Käufer an: Perth Mint meldet 1,7 Mio. Unzen – Goldverkäufe rückläufig
Neben dem Goldpreis beleuchtet Heraeus auch die Entwicklungen am Silbermarkt. Demnach laufen Barren- und Münzverkäufe bei Silber in einem Umfeld höherer Preise weiterhin gut. Heraeus nennt als Referenz, dass Silber in der Woche zum 20. Februar bei 82,45 US-Dollar je Unze geschlossen habe.
Ein besonders anschauliches Beispiel liefert die Perth Mint: Deren Verkäufe von Silberbarren und -münzen seien im Januar gegenüber dem Vormonat um 188% gestiegen und hätten 1,7 Mio. Unzen Silber erreicht. Gleichzeitig seien die Goldverkäufe der Perth Mint im selben Zeitraum um 19% auf 29.000 Unzen zurückgegangen. Heraeus ordnet diese Kombination als Hinweis ein, dass preissensitive Käufer in einer Phase, in der Silber Gold in der jüngsten Rallye übertroffen habe, verstärkt auf Silber ausweichen.
Bemerkenswert ist auch der historische Bezug: Die 1,7 Mio. Unzen stellen laut Heraeus den höchsten monatlichen Silberabsatz der Perth Mint seit Mai 2023 dar. Gleichzeitig wird der längerfristige Trend skizziert: Seit 2022 seien die Silberverkäufe rückläufig, nachdem damals 23,2 Mio. Unzen abgesetzt wurden. Für 2025 nennt Heraeus einen Absatz von 7,3 Mio. Unzen. Die aktuellen Januarzahlen wirken damit wie ein deutlicher Zwischenimpuls innerhalb eines insgesamt schwächeren Mehrjahrestrends.
Platin konsolidiert um 2.100 US-Dollar – Stellantis setzt wieder stärker auf Diesel
Auch am Markt für andere Edelmetalle sieht Heraeus überwiegend Seitwärtsmuster. Platin konsolidiere demnach bei etwa 2.100 US-Dollar je Unze. Auf der Nachfrageseite wird ein Impuls aus der Automobilindustrie hervorgehoben: Heraeus berichtet, dass Stellantis die Produktion wieder stärker auf Dieselfahrzeuge ausrichtet. Begründet wird dies mit einer schwächer als erwarteten EV-Nachfrage in der EU sowie mit gelockerten Emissionsregeln, die zuvor ein vollständiges Auslaufen von Verbrennungsmotoren bis 2035 nahezu vorgezeichnet hatten.
Diesel sei zudem ein Segment, in dem chinesische Hersteller in Europa voraussichtlich weniger stark konkurrieren, da ihr Fokus auf batterieelektrischen Fahrzeugen (BEVs) und Benzinmodellen liege. Heraeus nennt zur Einordnung Marktanteile: Der Anteil reiner Dieselmodelle an den EU-Neuzulassungen sei 2025 auf 8,9% gefallen, während BEVs 17,4% erreicht hätten. Stellantis habe zudem eine Wertberichtigung von 22 Mrd. Euro im Zusammenhang mit seinem EV-Geschäft vorgenommen, vollelektrische Modelle wie den RAM 1500 in den USA gestrichen, Projekte in Europa verschoben und Joint Ventures mit Batterieunternehmen – darunter Kanadas LG Energy Solution – beendet.
Heraeus betont, dass dies Europas langfristigen Elektrifizierungspfad nicht grundsätzlich verändere, kurzfristig aber die Verdrängung von Diesel „am Rand“ verlangsamen könne. Die europäische Platin-Nachfrage aus dem Automobilsektor werde weiterhin stark von Pkw dominiert. 2025 seien zudem mehr als eine Million Dieselautos produziert worden – wenngleich die Nachfrage nach Auto-Platin in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte gesunken sei.
Abschließend nennt Heraeus noch den Status weiterer Platingruppenmetalle: Palladium bewege sich seit Anfang Februar in einer enger werdenden Spanne um 1.700 US-Dollar je Unze. Rhodium, Ruthenium und Iridium seien zuletzt stabil bei 11.050, 1.470 beziehungsweise 7.200 US-Dollar je Unze geblieben. Damit ergibt sich insgesamt ein Bild, in dem sich der Goldpreis zwar in einer Konsolidierung befindet, die Märkte für Edelmetalle jedoch von sehr unterschiedlichen Treibern geprägt werden – von Geldpolitik über Förderpolitik bis hin zu Verschiebungen im Automobilsektor.