Die aktuelle Goldpreisentwicklung sorgt weiter für Frust bei vielen Anlegern. Trotz der anhaltenden Unsicherheit im Nahen Osten und des Kriegs der USA und Israels gegen Iran gelingt es Gold bislang nicht, daraus dauerhaft neuen Auftrieb zu ziehen. Stattdessen bleibt der Markt von Verkaufsdruck geprägt. Auffällig ist allerdings, dass große Banken ihre längerfristigen Erwartungen bislang kaum zurücknehmen. Genau an dieser Stelle setzt die jüngste Aktualisierung der Rohstoffprognosen von BMO an.
Die kanadische Bank hält an ihrer konstruktiven Sicht auf Gold und Silber fest, auch wenn sie kurzfristig weiter Gegenwind sieht. Nach Einschätzung von BMO haben sich die strukturellen Argumente für Edelmetalle nicht verschlechtert. Der aktuelle Rücksetzer wird damit weniger als Trendbruch verstanden, sondern eher als Unterbrechung eines größeren übergeordneten Aufwärtsbilds. Für den Goldpreis bedeutet das aus Sicht der Bank: Das bullishe Momentum ist vorerst pausiert, aber nicht beendet.
Im gleichen Atemzug macht BMO deutlich, dass die aktuelle Lage im Nahen Osten die Grundthese für Metalle und Minen nicht entkräftet, sondern sogar zusätzlich unterstreicht. Entscheidend sei vielmehr, wann der Markt genügend Vertrauen in eine Beruhigung der Lage entwickelt, um wieder mehr Risiko einzugehen. Bis dahin dürften sowohl Gold als auch Silber weiter empfindlich auf Stimmungsumschwünge reagieren.
Goldpreis bleibt unter Druck, BMO hebt Prognosen dennoch an
Die überarbeiteten Prognosen von BMO zeigen, dass die Bank beim Goldpreis trotz der jüngsten Schwäche mit weiter hohen Niveaus rechnet. Für das dritte Quartal erwartet sie einen durchschnittlichen Goldpreis von rund 4.800 US-Dollar je Unze. Das liegt 7 % über der vorherigen Schätzung. Für das vierte Quartal geht BMO im Schnitt von 4.900 US-Dollar je Unze aus, was einer Anhebung um 9 % entspricht.
Auch für das Gesamtjahr 2026 wurde die Erwartung nach oben gesetzt. BMO sieht den Goldpreis nun im Jahresdurchschnitt bei 4.846 US-Dollar je Unze, nachdem zuvor 4.550 US-Dollar angesetzt worden waren. Noch deutlicher fällt die Langfristsicht aus: Für 2027 rechnet die Bank mit einem durchgehend über 5.000 US-Dollar liegenden Goldpreis und einem Jahresdurchschnitt von 5.125 US-Dollar je Unze. Das entspricht einer Anhebung um 26 % gegenüber der früheren Prognose.
Damit macht BMO deutlich, dass die Bank den aktuellen Gegenwind als vorübergehend einstuft. Der Goldpreis leidet kurzfristig zwar unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, doch die längerfristigen Treiber bleiben aus Sicht der Analysten intakt. Genannt werden dabei vor allem Diversifikation, Währungsentwertung und Entdollarisierung. Diese Faktoren bleiben nach Einschätzung der Bank die tragenden Säulen des langfristigen Goldbilds.
BMO sieht bei Silber Potenzial, aber auch stärkere Schwankungen
Neben dem Goldpreis bleibt auch Silber in den aktualisierten Schätzungen von BMO positiv eingeordnet, allerdings mit deutlich mehr Vorsicht. Die Bank hebt zwar auch hier ihre Preisprognosen an, betont aber zugleich, dass Silber stärker schwanken dürfte als Gold. Für das dritte Quartal erwartet BMO einen durchschnittlichen Silberpreis von 70,60 US-Dollar je Unze. Das entspricht einer Anhebung um 28 % gegenüber der früheren Schätzung. Für das vierte Quartal rechnet die Bank mit durchschnittlich 68,10 US-Dollar je Unze, also 31 % mehr als zuvor.
Für das Gesamtjahr 2026 sieht BMO den Silberpreis im Durchschnitt bei 74,50 US-Dollar je Unze, was 32 % über der bisherigen Prognose liegt. Gleichzeitig deutet die Bank an, dass dieses Jahr den Höhepunkt markieren könnte. Für 2027 erwartet sie einen Durchschnittspreis von 64,20 US-Dollar je Unze. Auch das liegt zwar 42 % über der früheren Schätzung, signalisiert aber gleichzeitig ein niedrigeres Niveau als 2026.
Der Grund für diese vorsichtigere Haltung liegt in der anderen Marktstruktur von Silber. Während Gold stärker als monetärer und strategischer Absicherungswert gesehen wird, hängt Silber stärker an der industriellen Nachfrage. Genau dort sieht BMO Risiken. Der Krieg im Nahen Osten dürfte nach Einschätzung der Bank die weltweite Wirtschaftsaktivität dämpfen, was die industrielle Silbernachfrage belasten könnte. Zugleich erwartet BMO, dass der physische Silbermarkt wieder in einen Überschuss zurückkehrt. Das könnte den Druck aus den zuletzt stark liquiditätsgetriebenen Preisanstiegen nehmen.
Retail-Ströme und ETF-Zuflüsse bleiben für Gold entscheidend
Im kurzfristigen Bild verweist BMO besonders auf die Rolle privater Anleger. Nach Einschätzung der Bank stammen mindestens 60 % der Zuflüsse in Gold-ETFs von Retail-Investoren. Damit bekommt die Psychologie dieser Anlegergruppe einen erheblichen Einfluss auf den Goldpreis. Momentum und Stimmungswechsel könnten in den kommenden Monaten eine größere Rolle spielen als sonst, insbesondere nach Ausbruch des Iran-Konflikts.
BMO weist darauf hin, dass Gold historisch in den ersten Wochen großer Konflikte oft besser abgeschnitten habe, als es diesmal der Fall war. Allerdings sei die Ausgangslage heute anders als in früheren Phasen. Der Goldpreis ist bereits in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen, getragen von erheblichen neuen Kapitalzuflüssen, sowohl spekulativer als auch strategischer Natur. Das erschwert eine direkte Wiederholung alter Muster.
Gerade deshalb bleibt der Markt anfällig für Enttäuschungen. Aus Sicht von BMO dürfte es eine gewisse Zeit brauchen, bis aus den derzeitigen Verkäufern wieder Käufer werden. Voraussetzung dafür könnte eine Entspannung des Konflikts sein. Bis dahin bleibt der Goldpreis in einem Spannungsfeld aus intakter Langfristthese und schwankender Kurzfriststimmung.
Gold bleibt für BMO der bevorzugte Edelmetallwert
Trotz des grundsätzlich positiven Blicks auf harte Sachwerte 2026 fällt auf, dass BMO innerhalb des Edelmetallsektors klar differenziert. Die Bank sieht Gold weiter als den bevorzugten Wert, während die „kleineren“ Edelmetalle nicht als gleichwertiger Ersatz betrachtet werden. Entsprechend erwartet sie, dass sich der Abschlag von Silber gegenüber Gold im laufenden Jahr sogar weiter ausweitet.
Das ist ein wichtiger Punkt für die Einordnung. Der Goldpreis steht bei BMO im Zentrum der langfristigen Edelmetallthese. Silber bleibt zwar Teil dieser positiven Sicht, doch stärker eingebunden in Konjunktur, Industrie und Marktvolatilität. Gold dagegen wird weiterhin primär über seine Rolle als strategischer Vermögenswert betrachtet. Genau deshalb hält BMO trotz anhaltender Enttäuschung am Markt an einer positiven Goldprognose fest.
Unter dem Strich lautet die Botschaft der aktualisierten Einschätzung daher: Kurzfristig bleiben Gold und Silber anfällig für Schwäche, doch die Bank sieht die größere Bewegung noch nicht als beendet an. Beim Goldpreis bleibt das langfristige Fundament aus Sicht von BMO klar tragfähig, auch wenn der Markt im Moment noch auf ein Signal wartet, das neue Käufe wieder auslösen könnte.