Gold bleibt aus Sicht der Experten von Sprott ein zentraler strategischer Baustein für Anleger, auch wenn das Edelmetall kurzfristig unter dem Anstieg der US-Staatsanleiherenditen leidet. Das Haus argumentiert, dass der jüngste Druck auf den Goldpreis vor allem aus höheren Opportunitätskosten resultiert. Gleichzeitig seien die tieferliegenden Ursachen für diesen Renditeanstieg genau jene Faktoren, die Gold auf mittlere Sicht für private und institutionelle Investoren wieder interessanter machen könnten. Während sich das Bild bei Gold damit als kurzfristig belastet, aber strukturell intakt darstellt, fällt die Lage bei Silber deutlich komplizierter aus.
Im Zentrum dieser Einschätzung steht die Beobachtung, dass sich die langfristigen Treiber für Gold seit 2022 nach Ansicht von Sprott nicht verändert haben. Zwar hat das Metall seit Ende Januar deutlich korrigiert, besonders in den ersten Wochen des Iran-Kriegs. Doch aus Sicht des Hauses liegt darin kein Bruch der übergeordneten Bewegung. Entscheidend sei vielmehr, dass steigende Renditen zwar zunächst Kapital in den US-Dollar und in vermeintlich liquide Alternativen lenken, gleichzeitig aber die strukturellen Probleme der Staatsfinanzen nicht entschärfen. Genau an diesem Punkt beginnt aus Sicht von Sprott die mittelfristige Attraktivität von Gold.
Gold kurzfristig unter Druck, strategisch aber gefragt
Der unmittelbare Gegenwind für Gold kommt nach Einschätzung von Sprott über die gestiegenen Renditen am US-Anleihemarkt. Höhere Treasury-Renditen erhöhen die Opportunitätskosten eines Engagements in einem zinslosen Vermögenswert wie Gold. Gerade für jene Anleger, die taktisch und kurzfristig agieren, kann das ausreichen, um zunächst vom Goldmarkt Abstand zu nehmen.
Sprott verweist allerdings darauf, dass selbst US-Staatsanleihen in diesem Umfeld nicht frei von Kursrisiken sind. Wer im Januar eine zehnjährige US-Anleihe gehalten habe, sehe sich heute mit einem Wertverlust von rund 3 bis 4 Prozent konfrontiert, weil die Renditen seitdem um 30 bis 40 Basispunkte gestiegen seien. Für Gold ist das ein wichtiger Zusammenhang: Die steigenden Renditen belasten zwar kurzfristig den Preis, offenbaren aber gleichzeitig, dass auch die als stabil geltenden Anleihen an Wert verlieren können.
Genau daraus leitet Sprott seine mittelfristige Sicht auf Gold ab. Wenn die finanzielle Lage der Staaten schwieriger wird und zusätzliche Geldschöpfung in vielen Szenarien wahrscheinlicher erscheint, wird Gold wieder als Absicherung gegen Währungs- und Verschuldungsrisiken relevant. Das heißt: Der kurzfristige Renditeanstieg wirkt gegen Gold, die Gründe für diesen Renditeanstieg sprechen aus Sicht des Hauses später eher wieder für Gold.
Sprott sieht institutionelle Nachfrage nach Gold noch nicht ausgeschöpft
Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft die Rolle institutioneller Investoren. Aus Sicht von Sprott steht die nächste größere Nachfragewelle bei Gold aus diesem Lager noch immer aus. Die Bewegung habe zunächst mit den Zentralbanken begonnen, sei dann ab Mitte 2024 stärker auf private Anleger und teilweise auch auf ETF-Investoren übergesprungen. Eine breite institutionelle Beteiligung sei aber bislang nicht voll ausgeprägt.
Warum viele Institutionen trotz der starken Entwicklung bei Gold bisher nur begrenzt engagiert sind, erklärt Sprott mit zwei Faktoren. Zum einen fehle in vielen Häusern internes Fachwissen für Rohstoffe allgemein und für Gold als eigenständige Anlageklasse im Besonderen. Ein Teil dieses Wissens sei nach der Korrektur im Rohstoffsektor rund um das Jahr 2015 verloren gegangen. Zum anderen hätten die Aktienmärkte lange so gut funktioniert, dass viele institutionelle Investoren keinen Anlass sahen, ihr Anlageuniversum stärker zu erweitern.
Für Gold bedeutet das: Die Zurückhaltung vieler großer Investoren wird nicht als Votum gegen das Edelmetall interpretiert, sondern eher als Folge institutioneller Trägheit. Solange Aktien wie der S&P 500 gut laufen, würden viele Häuser ihre Aufmerksamkeit nicht neu ausrichten. Erst wenn diese traditionellen Anlageklassen an Überzeugungskraft verlieren, könnte Gold für breitere institutionelle Kreise wieder stärker in den Fokus rücken.
Sprott verweist zudem darauf, dass alternative Themen wie Bitcoin in manchen Häusern offenbar mehr interne Ressourcen gebunden haben als Gold oder Rohstoffe. Das ändere jedoch nichts daran, dass sich institutionelle Anleger langfristig wieder mit Gold befassen müssten, wenn Vermögensschutz und Diversifikation erneut an Gewicht gewinnen.
Silber bleibt im Defizit, reagiert aber sensibler auf Wachstumssorgen
Während Gold aus Sicht von Sprott strategisch attraktiv bleibt, sieht das Haus bei Silber kurzfristig ein schwierigeres Umfeld. Fundamentalseitig bleibt das Marktbild zwar eng: Für dieses Jahr wird erneut ein Defizit erwartet, also mehr Nachfrage als Angebot – und das bereits im sechsten Jahr in Folge. Dennoch ist Silber stärker als Gold an die industrielle Nachfrage gekoppelt und damit anfälliger für eine Eintrübung der Konjunktur.
Gerade der Iran-Konflikt belastet dieses Bild zusätzlich. Wenn wirtschaftliche Unsicherheit steigt und Wachstumserwartungen sinken, kann das die industrielle Nachfrage nach Silber schwächen. Hinzu kommen auch hier die höheren Renditen, die Edelmetalle insgesamt zunächst unattraktiver machen. Zwar besitzt Silber ebenfalls eine monetäre und diversifizierende Komponente, doch Sprott kommt zu dem Schluss, dass diese positiven Eigenschaften kurzfristig von den Belastungen durch schwächere Industrienachfrage und gestiegene Zinsen überlagert werden.
Für Silber bedeutet das eine ungünstigere Ausgangslage als für Gold. Selbst wenn die Angebotsseite angespannt bleibt, muss der Markt gleichzeitig mit einer trüberen Nachfrageperspektive umgehen. Deshalb erwartet Sprott auch, dass Gold eine mögliche Erholung bei den Edelmetallen anführen würde – und Silber erst danach folgen könnte.
Gold bleibt der Taktgeber, Silber vorerst der Nachzügler
Unter dem Strich zeichnet Sprott ein zweigeteiltes Bild: Gold bleibt trotz kurzfristigem Renditedruck strategisch interessant, weil die fiskalischen und monetären Belastungen im System eher größer als kleiner werden. Silber verfügt zwar ebenfalls über ein knappes fundamentales Umfeld, muss aber stärker gegen konjunkturelle Unsicherheit und nachlassende industrielle Dynamik ankämpfen.
Für Anleger ergibt sich daraus aus Sicht von Sprott eine klare Reihenfolge. Gold bleibt der wahrscheinliche Taktgeber innerhalb des Edelmetallsektors. Erst wenn Gold wieder klar nach oben dreht, dürfte auch Silber aus seiner schwierigeren kurzfristigen Lage herausfinden. Bis dahin bleibt das Umfeld für beide Metalle unterschiedlich: Gold als strategischer Absicherungswert mit intaktem Langfristbild, Silber als Edelmetall mit engerem Markt, aber größerer Abhängigkeit vom globalen Wachstum.