Eigentlich sagt das kleine Einmaleins der Börse: Wenn der US-Dollar steigt, geraten Rohstoffe und Gold sofort unter Druck. Doch heute ist alles anders. Zum ersten Mal seit Wochen erleben wir ein seltenes Trio an der Spitze: Gold, Rohöl und der US-Dollar-Index legen zeitgleich zu.
Während der Dollar-Index am 25. März 2026 bis zum frühen Abend amerikanischer Ostküstenzeit um 0,42 Prozent kletterte, machte das Rohöl der Sorte WTI einen kräftigen Satz und stieg um 3,30 Prozent auf 91,30 US-Dollar an. Doch der eigentliche Hingucker waren an diesem Tag die Edelmetalle, insbesondere Gold, denn dieses stieg um über 30 US-Dollar auf 4.506 US-Dollar pro Unze an.
Dies war schon ungewöhnlich genug, denn dass Gold und der US-Dollar parallel ansteigen, ist ähnlich selten wie Schnee im Hochsommer. Doch damit nicht genug: Der geneigte Goldanleger könnte sich auch in den kommenden Wochen und Monaten auf so manche Überraschung gefasst machen, weil Gold im April von einer Seite Gegenwind erfahren könnte, die bislang eindeutig als Pro-Gold-Seite angesehen wurde.
Der „Putin-Faktor“: Russlands neue Gold-Sperre
Hinter den Kulissen braut sich derzeit etwas zusammen, das die Gold-Charts schon bald ordentlich durchschütteln könnte, denn der Kreml hat in den letzten Tagen ein Machtwort gesprochen. Ab dem 1. Mai schränkt Russland den Export von Goldbarren drastisch ein.
Mit diesem Dekret nimmt der Kreml den Kampf gegen die Schattenwirtschaft und die Geldwäsche im Land auf. Gold spielt dabei eine zentrale Rolle, denn nach Angaben der russischen Regierung wird Gold in Russland zunehmend als Ersatzwährung für illegale Transaktionen und Kapitalflucht genutzt.
Dem soll ein Riegel vorgeschoben werden. Deshalb dürfen Privatpersonen ab dem 1. Mai 2026 in Russland maximal 100 Gramm Gold außer Landes bringen. Je nach Tageskurs des Rubels entspricht dies einem Wert von ca. 15.000 US-Dollar. Die neue Regelung ist nicht unbedeutend, denn nach China ist Russland derzeit der zweitgrößte Goldproduzent der Welt und wenn in Russland die Regeln geändert werden, bleibt das für den Weltmarkt nicht ohne Folgen.
Droht im April ein weiterer Goldausverkauf?
Erste Analysten sind bereits alarmiert und erwarten ein weiteres Beben am Goldmarkt. Da das Gesetz erst im Mai in Kraft tritt, wird für den April eine regelrechte Verkaufswelle erwartet. Wer in Russland Gold besitzt und dieses noch schnell zu Geld machen oder außer Landes schaffen will, muss umgehend handeln.
Auf den Goldmarkt könnte deshalb im April potenziell eine Flut von russischen Goldverkäufern zukommen. Aktuell erholt sich das gelbe Metall zwar noch von den jüngsten Verlusten, doch es besteht die Gefahr, dass die russische Exportbremse diesen Aufwärtstrend jäh stoppt und das gelbe Metall schon bald wieder auf Talfahrt schickt.
Die Goldanleger sollten sich deshalb im April nicht nur mit der Frage beschäftigen, wie stark oder wie schwach gerade der US-Dollar ist, sondern Russland ebenfalls immer im Blick haben und der Frage nachgehen, wie viel Gold in den nächsten Wochen aus russischen Tresoren auf den internationalen Markt drängt.
Die Gefahr ist real. Positiv für die Goldanleger ist jedoch, dass sie zeitlich begrenzt ist. Ab Anfang Mai dürfte aus Russland wieder deutlich weniger privates Gold auf den Goldmarkt drängen.