Der Goldmarkt nimmt nach den jüngsten Signalen der Fed zunächst Gewinne mit. Ökonomen ordnen die vielfach vorhergesagte Entscheidung der US-Notenbank als vorsichtigen Beginn eines Lockerungszyklus ein – und genau diese Mischung aus Erwartbarem und Zurückhaltung löste die aktuelle Verschnaufpause aus. Zugleich bleibt das große Bild für Rohstoffanleger positiv: Experten sehen Gold weiterhin in einem langfristigen Aufwärtstrend.
Am Mittwoch senkte die Federal Reserve den Leitzins um 25 Basispunkte und stellte bis zum Jahresende niedrigere Zinsen in Aussicht. Aus Sicht vieler Volkswirte blieb der Schritt jedoch hinter der Hoffnung auf aggressivere Maßnahmen zurück. Darauf verweisen auch die Analysten von Metals Focus: Den jüngsten Dot Plots der Notenbank zufolge sei für das kommende Jahr lediglich eine einzige Zinssenkung vorgesehen, während das CME FedWatch Tool bis Ende 2025 Reduktionen von über 100 Basispunkten einpreist. Weil die FOMC-Erklärung aber im Kern den Markterwartungen entsprach, sei eine kurzfristige, technisch getriebene Gewinnmitnahme bei Gold nicht überraschend, so die Analysten am Donnerstag.
Gold-Rallye hängt nicht von kurzfristigen Entscheidungen ab
Entscheidend für den mittel- bis langfristigen Kursverlauf sind aus Sicht von Metals Focus ohnehin andere Kräfte. Das makroökonomische und geopolitische Umfeld bleibe grundsätzlich goldfreundlich; Rücksetzer dürften daher als Kaufgelegenheiten genutzt werden und dem Metall helfen, weit ins Jahr 2026 hinein neue Allzeithochs zu markieren. Selbst bei einer etwas restriktiveren Sicht auf 2026–27 rechnen die Analysten nämlich weiterhin mit zusätzlichen Zinssenkungen.
Ein Punkt, der bislang kaum in den Preisen reflektiert sei, ist nach Einschätzung von Metals Focus, der politische Druck auf die Unabhängigkeit der Fed. Die Experten erinnerten in einem Interview mit Kitco News vor der Entscheidung daran, dass Präsident Trump seit Beginn seiner neuen Amtszeit wiederholt kräftige Zinssenkungen gefordert hat. Im Sommer plädierte er für Reduktionen um 300 Basispunkte, was den Fed-Leitzins auf rund 1 % drücken würde. Zudem versuchte Trump, Fed-Gouverneurin Lisa Cook wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Hypothekenbetrug aus dem geldpolitischen Ausschuss zu entfernen. Dieser Streit liegt derzeit bei den US-Gerichten. Bei der Abstimmung am Mittwoch votierte Trumps Kandidat Stephen Miran als Einziger gegen die Senkung – er sprach sich für einen Schritt um 50 Basispunkte aus.
Ökonomen warnen, der US-Dollar könnte Schaden nehmen, sollte der Markt die Notenbank als verlängerten Arm des Weißen Hauses wahrnehmen. Metals Focus nennt die Bedrohung der Unabhängigkeit der Fed eine zentrale Unsicherheit, die nicht eingepreist sei. Ein Bruch mit dieser Unabhängigkeit könnte den Dollar untergraben. Die Rolle der US-Währung als Weltreserve auf den Prüfstand zu stellen, sei vielleicht zu weit gegriffen – Fragen würden aber in jedem Fall aufkommen.
Auch jenseits der US-Innenpolitik bleibt die strategische Nachfrage ein Faktor. Zwar habe sich die Goldkauflaune der Zentralbanken über den Sommer abgeschwächt, doch rechnet Metals Focus mit weiter steigenden Reserven, da die Institute diversifizieren und sich schrittweise vom Dollar lösen würden. Sollte die Fed politischem Druck nachgeben, könnten zudem die Inflationsrisiken zunehmen – ein Szenario, das traditionell Rückenwind für Gold bedeutet. Metals Focus unterstreicht den Mechanismus: Sinkende Zinsen bei gleichzeitig anziehender Inflation drücken die Realrenditen und reduzieren damit die Opportunitätskosten für das Halten von Gold als nicht verzinslichem Vermögenswert.
Für Anleger heißt das: Die aktuelle Konsolidierung folgt der Logik der Erwartungen, ändert aber nichts an der positiven Grundtendenz. Wer an den Rohstoffmärkten engagiert ist, findet also in Rücksetzern potenziell weiterhin Einstiegspunkte – getragen von einem Umfeld, das Gold strukturell stützt.