Der Goldmarkt ist seit Monaten von neuen Rekordmarken geprägt – und nun schiebt eine der größten US-Banken die Zielmarken noch weiter nach oben. Die Bank of America (BofA) nämlich hat ihr kurzfristiges Kursziel für Gold auf 6.000 US-Dollar je Unze angehoben. Das ist laut Medienberichten – bislang – die aggressivste Prognose einer großen Institution für das gelbe Metall. Während Anleger und Analysten vielerorts zunächst auf die psychologisch wichtige 5.000-Dollar-Schwelle blicken, rückt BofA damit bereits die nächste Etappe in den Fokus.
Als Begründung verweist man auf historische Muster vergangener Haussephasen: In vier Bullenmärkten sei Gold im Schnitt um rund 300% innerhalb von 43 Monaten gestiegen – ein Maßstab, der nach seiner Rechnung einen Preis von 6.000 US-Dollar bis zum Frühjahr nahelegt. Das würde Gold mehr als 20% über die aktuellen Rekordstände heben.
Gold und die 6.000-Dollar-Marke: Historische Vergleiche als Argumentationslinie
Die Kernaussage lautet, dass historische Entwicklungen zwar keine Garantie liefern, aber als Orientierung dienen können. Der Verweis auf durchschnittliche Kursanstiege in früheren Gold-Haussephasen soll verdeutlichen, dass die jüngste Rallye aus Sicht der Bank nicht zwangsläufig „ausgereizt“ sein muss, nur weil neue Höchststände erreicht wurden. Im Gegenteil: Die Bank positioniert ihre Prognose ausdrücklich „vor“ einer Phase, in der der Markt die 5.000-Dollar-Marke als neue Referenz diskutiert.
Parallel dazu hatte die Bank of America, bereits Anfang Januar betont, dass Gold 2026 aus Bankensicht eine zentrale Rolle in Portfolios spielen könne. In ihrer Einschätzung heben die Analysten vor allem zwei Aspekte hervor: zum einen enger werdende Marktbedingungen, zum anderen eine hohe Sensitivität der Unternehmensgewinne im Sektor gegenüber dem Goldpreis. In der BofA-Argumentation ist Gold damit nicht nur ein Absicherungsinstrument, sondern auch ein Metall, dessen Preisbewegungen deutliche Effekte entlang der Wertschöpfungskette auslösen können.

Bank of America: Sinkende Produktion, steigende Kosten, höhere Ertragskraft
Ein wesentlicher Baustein der BofA-These sind Angebots- und Kostentrends. Man erwartet, dass die 13 großen nordamerikanischen Goldproduzenten 2026 zusammen 19,2 Millionen Unzen fördern werden. Das entspräche einem Rückgang um 2% gegenüber 2025. Zugleich äußert die Großbank Zweifel, dass viele Marktschätzungen zur Fördermenge realistisch seien – sie könnten aus seiner Sicht zu optimistisch ausfallen.
Auf der Kostenseite kalkuliert Bank of America mit einem Anstieg der All-in Sustaining Costs (AISC) um 3% auf rund 1.600 US-Dollar je Unze. Auch dieser Wert liege leicht über dem Marktkonsens. In Kombination mit dem gestiegenen Goldpreisumfeld erwartet die US-Bank für die Produzenten dennoch eine spürbar bessere Ergebnislage: Das EBITDA der Branche sieht man 2026 um 41% auf etwa 65 Milliarden US-Dollar steigen.
In derselben Einordnung nennt BofA zudem Durchschnittswerte für Edelmetalle: Gold soll 2026 im Mittel bei 4.538 US-Dollar je Unze (real) liegen. Gleichzeitig erwartet die Bank auch höhere Preise für Silber, Platin und Palladium – eine Einschätzung, die auf ein insgesamt konstruktives Bild für Edelmetalle hindeutet, ohne dass die BofA dies ausschließlich auf Gold verengt.
Nachfrage, Portfolios und Zentralbanken: Wer den Goldmarkt noch nicht abbildet
Neben Angebot und Kosten rückt Bank of America die Nachfrageseite in den Mittelpunkt – insbesondere die Frage, wer bereits im Goldmarkt positioniert ist und wer bislang eher abseits stand. Man argumentiert, dass Gold-Haussephasen typischerweise erst dann ihren Höhepunkt erreichen, wenn die Faktoren, die die Rallye ausgelöst haben, nachlassen – nicht allein, weil der Preis stark gestiegen ist. Gleichzeitig beschreibt er den Markt als „überkauft“, aber dennoch „unterinvestiert“: Es gebe aus seiner Sicht weiterhin Spielraum, weil bestimmte Anlegergruppen Gold noch nicht in relevantem Umfang berücksichtigen.
Die Investmentnachfrage – insbesondere bei Privatanlegern – habe in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt heißt es weiter. Für 2025 werden Zuflüsse in goldgedeckte ETFs auf den höchsten Stand seit 2020 beziffert. Gleichzeitig verweist Widmer auf eine Gruppe, die den Goldmarkt bislang weitgehend ignoriert habe: Professionelle Investoren im High-Net-Worth-Segment hielten im Schnitt nur rund 0,5% ihrer Vermögenswerte in Gold, obwohl das Metall insgesamt etwa 4% des gesamten Finanzmarktes ausmache.
Auch Zentralbanken spielen in der BofA-Argumentation eine zentrale Rolle. Die Analysten erwarten, dass Notenbanken weiter Gold kaufen, selbst nachdem die offiziellen Reserven 2025 neue Meilensteine erreicht haben. In seinem Modell haben Zentralbanken ihre Goldbestände inzwischen über die Bestände an US-Staatsanleihen hinaus erhöht; Gold entspreche im Durchschnitt rund 15% der gesamten Zentralbankreserven. Die Modellrechnung der Experten kommt zugleich zu dem Ergebnis, dass die Reserven bei einer Goldquote von etwa 30% „voll optimiert“ wären – ein Hinweis darauf, wie stark sich die Nachfrage im offiziellen Sektor nach dieser Logik noch verschieben könnte.
Als möglichen Auslöser für weitere Bewegungen nennt man zudem die US-Geldpolitik. Das Modell der BofA zeige, dass Gold in Lockerungszyklen – wenn die Inflation über 2% liegt – im Durchschnitt um 13% gestiegen sei. Entscheidend sei dabei nicht, dass es bei jeder Sitzung Zinssenkungen gebe, sondern dass sich die Richtung der Zinsen nach unten drehe.
Unterm Strich zeichnet Bank of America damit ein Szenario, in dem Gold nicht nur von kurzfristigen Schlagzeilen, sondern von strukturellen Faktoren getragen wird: Angebotsrückgang und Kosteninflation auf Produzentenseite, sowie Investment- und Zentralbanknachfrage, die sich nach Einschätzung der Bank noch ausweiten könnte.