Stand: 28.11.2025 von Florian Grummes
Nach dem scharfen Einbruch Ende Oktober konnten sich die Edelmetallpreise im Verlauf des Novembers deutlich erholen. Während Gold mit rund 4.175 US-Dollar wieder klar oberhalb der wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar handelt, nähert sich der Silberpreis zum dritten Mal seinem neuen Allzeithoch bei 54,45 US-Dollar an.
Kurz vor dem Monatsende führte heute jedoch ein Ausfall der Kühlsysteme im CyrusOne-Rechenzentrum zu einem kompletten Stillstand der Finanzinfrastruktur der weltweit größten Derivatebörse CME Group. Davon betroffen waren wichtige Handelsplattformen wie EBS für Devisen und BrokerTec für Anleihen. In der Folge froren die Preise für wichtige Rohstoff- und Finanzprodukte wie WTI-Öl, Gold, Silber sowie die Futures auf den S&P 500 und US-Treasuries mehrere Stunden lang ein, was zu erheblichen Handelsunterbrechungen führte.
Ursache des CME-Ausfalls
Der Ausfall der CME Group am 28. November 2025 wurde durch ein Kühlungsproblem im CyrusOne-Rechenzentrum in Aurora, Illinois (CHI1-Anlage) verursacht. Die Server überhitzten aufgrund des Kühlversagens, was zu automatischen Abschaltungen führte und den gesamten Globex-Handel (Futures, Optionen, Devisen, Rohstoffe, Aktienindizes) stoppte.Dieser Vorfall zeigt die physischen Grenzen der zentralisierten Finanzinfrastruktur auf, die an ihre thermodynamische Belastungsgrenze stößt, insbesondere angesichts der steigenden Rechenleistungen und Kühl-Anforderungen, bedingt vor allem durch die zunehmende KI-Nutzung.
Die Konzentration der Infrastruktur an wenigen Standorten macht das System anfällig für solche Ausfälle. Gleichzeitig bot die Krise Einblicke in die höhere Resilienz dezentraler Systeme wie bspw. der Blockchain-Netzwerke, die trotz des Ausfalls der CME-Plattform weiterhin operierten.
Einmal mehr wird klar, wie wichtig eine grundlegende Umgestaltung der Finanzinfrastruktur hin zu geografischer Verteilung, Cloud-Migration und Integration dezentraler Technologien wäre, um solche systemischen Risiken zu minimieren und die Robustheit der Finanzmärkte sicherzustellen.
Tether Holdings als neuer Spieler und Preistreiber am Goldmarkt
Während der Ausfall der CME Group die zentrale elektronische Finanzinfrastruktur erschütterte, drückt die weiterhin starke physische Nachfrage den Goldpreis immer weiter nach oben. Dabei rückt in den letzten Monaten die Tether Holding als neuer Spieler und Preistreiber am Goldmarkt zunehmend in den Mittelpunkt.
Die Tether Limited Holdings ist ein Finanztechnologieunternehmen das den Tether-Stablecoin (USDT), den nach Marktkapitalisierung weltweit größten Stablecoin, ausgibt. Tether investiert die hinterlegten Reserven vor allem in verzinsliche Anlagen, insbesondere US-Staatsanleihen. Schon seit Jahren zählt die Firma zu den größten Käufern dieser US-Schuldpapiere.
Zum Ende des zweiten Quartals 2025 betrugen die direkten und indirekten Bestände an US-Staatsanleihen über 127 Milliarden US-Dollar, was die Firma unter die weltweit größten Gläubiger der US-Regierung einordnet.
Die aus diesen Anlagen erzielten Zinseinnahmen werden nicht an die USDT-Tokenhalter ausgeschüttet, sondern bleiben als Gewinn im Unternehmen. Um diese „Papierdollars“ zu diversifizieren und abzusichern, investiert die Firma in andere Vermögenswerte wie Bitcoin, Ackerland und physisches Gold. Tether profitiert dabei sowohl von den Kursgewinnen als auch von den Zinseinnahmen, ohne die Gewinne an die Token-Inhaber weiterzugeben. In Zeiten des Krypto-Booms ein äußerst erfolgreiches Geschäftsmodell.
Tether hat im vergangenen Quartal mehr Gold gekauft als jede Zentralbank

Laut Financial Times (basierend auf den Daten des World Gold Council) hat Tether Holdings seine Goldreserven zuletzt deutlich ausgebaut. Im September 2025 stiegen die Bestände auf einen Rekordwert von 12,9 Milliarden US-Dollar, was rund 104 Tonnen physischem Gold entspricht. Der Wert und die physischen Reserven haben sich seit Jahresbeginn bzw. seit Q2 2024 verdoppelt, wobei Tether 2025 durchschnittlich mehr als eine Tonne pro Woche erworben hat und damit zu den größten Käufern weltweit zählt.Im letzten Quartal übertrafen die Goldkäufe sogar die der Zentralbanken von Kasachstan, Brasilien oder der Türkei.
Infolgedessen übersteigen Tethers Gesamtreserven nun 180 Milliarden US-Dollar, von denen 7 % in Gold angelegt sind. Das macht das Unternehmen zu einem der weltweit größten Goldhalter und signalisiert nicht nur Misstrauen gegenüber den Fiat-Währungen, sondern treibt die De-Dollarisierung voran und lässt Gold schrittweise immer weiter ins Zentrum des Währungssystems rücken.
Goldpreis bricht aus dem Konsolidierungsdreieck nach oben aus

Angetrieben von der starken physischen Nachfrage schob sich der Goldpreis in dieser Handelswoche wieder ein gutes Stück nach oben. Dabei gelang heute Nacht auch der Ausbruch aus dem Konsolidierungsdreieck der letzten vier Wochen.
Damit rücken die nächsten kurzfristigen Kursziele bei ca. 4.200, 4.235 und 4.260 US-Dollar in greifbare Nähe.
Allerdings hängt der Goldpreis dem Silberpreis zuletzt etwas hinterher, welcher bereits kurz vor dem Ausbruch auf neuen Allzeithochs steht. Dem Goldpreis fehlen dazu noch ca. 4,6 % bzw. rund 195 US-Dollar.
Bis zum nächsten US-Zinsentscheid Mitte Dezember sind temporäre Rücksetzer nach wie vor einzuplanen. Im größeren Bild sollte der Goldpreis nach dem Abschluss der laufenden Konsolidierung im ersten Halbjahr 2026 dann aber auf ca. 5.000 bis 5.200 US-Dollar weiter ansteigen.
Fazit: Gold – Ausbruch aus dem Konsolidierungsdreieck
Zusammenfassend hat der November eine beeindruckende Erholung der Edelmetallpreise mit sich gebracht. Der starke Rücksetzer Ende Oktober ist schon fast vergessen. Mit Kursen oberhalb von 4.180 US-Dollar ist der Goldpreis klar aus seinem Konsolidierungsdreieck ausgebrochen und sollte schon bald die Widerstandszone der Vorwoche im Bereich zwischen 4.200 und 4.260 US-Dollar erreichen können.
Im kommenden Jahr müsste dann die psychologische Marke von 5.000 US-Dollar ihre Magnetwirkung entfalten.
Stand: 28.11.2025
geschrieben von:
Florian Grummes
Technischer Analyst, Edelmetallexperte