Im Rohstoffsektor kündigt sich gerade die nächste Mega-Fusion an und es geht, das ist wenig überraschend, vor allem um Kupfer. Das rote Metall ist für die Energiewende von entscheidender Bedeutung und selbst ohne Energiewende wird sein Verbrauch in den nächsten Jahren deutlich steigen, denn die zunehmende Urbanisierung der ländlichen Regionen in Asien und Afrika wird einen erhöhten Bedarf an Kupfer für Stromleitungen und elektrische Geräte nach sich ziehen.
Gleichzeitig sind die Kapazitäten begrenzt. Das interne Wachstum der Branche ist limitiert, da man in den vergangenen Jahrzehnten mit Blick auf die vergleichsweise niedrigen Preise die Exploration von neuen Kupferlagerstätten sträflich vernachlässigt hat. Wachsen können die Giganten der Branche, damit nur noch, indem sie kleinere Unternehmen schlucken, was ein ziemlich mühsames, weil zeitaufwendiges und teures Unterfangen ist, oder indem sich zwei Giganten zu einem noch größeren Unternehmen zusammenschließen.
Diesen Weg wollten Rio Tinto (WKN 852147) und Glencore (WKN A1JAGV) bereits in der Vergangenheit gehen. Doch die Fusion scheiterte an internen Problemen. Nun unternehmen beide Seiten einen neuen Anlauf. Die neuen Gespräche starteten bereits im vergangenen Jahr. Das hat die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren. Im Gespräch ist eine Übernahme von Glencore durch Rio Tinto im Rahmen eines Aktientauschs.
Der fusionierte Konzern könnte BHP als größten Rohstoffkonzern der Welt ablösen
Die geplante Fusion vollzieht sich damit nach britischem Recht und sollte sie erfolgreich abgeschlossen werden, würde Rio den Anschluss an den Branchenprimus BHP nicht nur wieder herstellen, sondern BHP sogar übertrumpfen, denn es würde ein Konzern entstehen, der eine Marktkapitalisierung im Bereich von 207 Milliarden US-Dollar aufweisen wird.
Es geht also wieder um viel, aber auch die Hürden sind hoch. Nicht nur rechtliche Aspekte sind dabei zu beachten. Auch die Atmosphäre muss stimmen, damit eine Fusion gelingen kann. Hier trifft mit Glencore ein sehr ergebnisorientiertes Unternehmen auf eine neue Mutter, der eine stärkere Konzentration auf das Ergebnis durchaus guttun könnte. Gelöst werden muss darüber hinaus noch ein gravierendes Problem, das derzeit noch unvermittelt zwischen Rio Tinto und Glencore steht: die Kohle.
Rio Tinto hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark auf das Eisenerz konzentriert und auch den Kupfersektor zu einem Schwerpunkt gemacht. Die eigene Kohleförderung hat Rio dabei als überflüssigen Randbereich angesehen und diesen im Jahr 2018 ausgerechnet an Glencore verkauft. Dass man diesen Sektor jetzt durch die Fusion nicht wieder zurückbekommen möchte, liegt auf der Hand. Deshalb muss Glencore seine Kohlesparte entweder durch einen schnellen Verkauf oder durch eine Abspaltung loswerden, damit die geplante Fusion mit Rio Tinto gelingen kann.
Seine Aktionäre in Australien muss Rio Tinto von der Sinnhaftigkeit der Übernahme erst noch überzeugen
Die atmosphärische Lage hat sich im vergangenen Jahr durch den Wechsel auf dem Chefsessel von Rio Tinto ebenfalls zugunsten einer Fusion deutlich verbessert, denn der neue Vorstandschef, Simon Trott, der sein Amt im August 2025 antrat, will den Konzern schlanker aufstellen. Geplant ist, dass Rio sich über die Kohle hinaus von Vermögenswerten trennt, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Noch wichtiger für die geplante Fusion ist jedoch, dass Simon Trott im Vergleich zu seinem Vorgänger, Jakob Stausholm, als offener gegenüber großen Deals gilt.
Überwunden werden muss aber auch noch das Misstrauen der Aktionäre. Dies gilt besonders für Rio Tinto, denn nachdem die Informationen über die wiederaufgenommenen Fusionsverhandlungen publik wurden, reagierten die Aktionäre auf dem australischen Heimatmarkt von Rio Tinto verschnupft. Sie schickten den Kurs der Aktie mit einem Tagesminus von 6,3 Prozent deutlich auf Talfahrt.
Begeistert von der Idee einer Übernahme zeigten sich hingegen die in Glencore investierten Anleger. In den USA, wo die meisten Glencore-Aktien gehandelt werden, legte der Aktienkurs um sechs Prozent zu, nachdem die Nachricht bekannt geworden war.
Rio Tinto muss sich bis zum 5. Februar erklären
Da Rio Tinto derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 142 Milliarden US-Dollar kommt, Glencore hingegen „nur“ auf 65 Milliarden liegt die Führung eindeutig bei Rio Tinto. Rios Management hat nun bis zum 5. Februar 2026 Zeit, um entweder ein formelles Angebot zur Übernahme von Glencore abzugeben oder aber offiziell zu erklären, dass es seinen Vorstoß zur Übernahme des Mitbewerbers nicht weiter fortsetzen wird.
Die kritische Haltung der Rio-Tinto-Aktionäre ist an dieser Stelle natürlich eine starke Bremse für das Projekt. Im Hintergrund steht die Erfahrung, dass sich große Fusionen, man denke an dieser Stelle nur an Bayer und Monsanto, im Lauf der Zeit immer wieder als eine Belastung für den Aktienkurs und damit wertmindernd herausgestellt haben. Nun ist die Sorge, dass dies bei Rio Tinto ebenfalls der Fall sein wird. Auf der anderen Seite macht der jüngst vollzogene Zusammenschluss von Anglo American und Teck Resources deutlich, dass innerhalb des Kupfersektors eine starke Tendenz zu einer höheren Konzentration besteht und derzeit eine Konsolidierungswelle läuft.