Das Analysesystem von OptionEarner.com für Edelmetallaktien hat sich zuletzt deutlich verbessert und ist mit einem Wert von 1,18 nach zuvor 0,97 wieder klar in die Kaufzone zurückgekehrt. Nach der Systematik des Indikators gilt ein Wert von über 1,0 als starkes Kaufsignal; Extrempunkte lagen historisch eher im Bereich von rund 1,5 bis 1,6. Damit liegt zwar noch kein extremes Kaufsignal vor, wohl aber eine klare Aufhellung nach längerer Zeit.

Analysesystem springt wieder auf Kauf
Steht der Goldpreis jetzt vor einem Rebound oder sackt er noch weiter ab? Das kann derzeit niemand seriös prognostizieren. Der heutige drastische Einbruch könnte durchaus den finalen Sell-out einläuten. Er könnte aber ebenso nur eine weitere Etappe in einer nervösen und von Liquiditätszwängen geprägten Abwärtsbewegung sein.
Gerade deshalb erscheint es wenig sinnvoll, auf den exakten Wendepunkt zu spekulieren. Ratsamer ist es, gestaffelt in den Markt einzusteigen und sich zugleich die derzeit extrem hohe Volatilität über den Verkauf gedeckter Puts auf ausgewählte, fundamental interessante Werte zunutze zu machen. Die aktuell sehr hohen Prämien schaffen dabei einen zusätzlichen Puffer, falls die Kurse kurzfristig noch weiter nachgeben sollten.
Warum fällt Gold trotz geopolitischer Krise?
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich, dass der Goldpreis ausgerechnet in einer schweren geopolitischen Krise so deutlich nachgibt. In akuten Liquiditätskrisen wird jedoch oft dort verkauft, wo zuvor die größten Gewinne aufgelaufen sind und wo sich schnell Liquidität beschaffen lässt. Genau das war bei Gold und vielen Edelmetallwerten zuletzt der Fall.
Hinzu kommt, dass der Edelmetallsektor zuvor technisch stark überkauft war. Viele institutionelle Investoren hatten Gold bereits als Sicherheitsbaustein und alternatives Asset in ihre Portfolios aufgenommen. In einer angespannten Marktphase werden solche Positionen dann häufig mit abgebaut, obwohl sich an den langfristigen Fundamentaldaten zunächst wenig geändert haben muss.
Belastend kommt hinzu, dass die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen vorerst gedämpft werden. Sollte die Inflation im Zuge der aktuellen Krise erneut anziehen, wären selbst weitere Zinserhöhungen nicht völlig auszuschließen. Das ist kurzfristig Gegenwind für Gold und Minenwerte.
Fundamental bleiben viele Argumente intakt
Trotz der laufenden Korrektur bleiben aus unserer Sicht mehrere gewichtige Argumente bestehen, die für eine Wiederaufnahme der Edelmetall- und Rohstoffhausse sprechen.
Die ausufernden Staatsdefizite dürften durch die aktuelle Krise weiter verschärft werden und das Vertrauen in Fiatwährungen zusätzlich belasten. Gleichzeitig ist der Spielraum der Notenbanken begrenzt, die ohnehin angeschlagene Wirtschaft durch deutlich höhere Zinsen noch stärker unter Druck zu setzen. Damit bleibt das Szenario negativer Realzinsen auf mittlere Sicht weiter realistisch.
Hinzu kommt, dass der weltweite Kampf um strategische Rohstoffe keineswegs beendet, sondern nur unterbrochen ist. Öl, seltene Erden, Silber, Kupfer & CO werden geopolitisch weiter eine zentrale Rolle spielen. Auch die in den vergangenen Jahren zu geringen Investitionen in neue Vorkommen und Förderkapazitäten verschwinden nicht. Sie treten in der aktuellen Krise lediglich vorübergehend in den Hintergrund.
Unser Fazit für Anleger
Aus unserer Sicht spricht vieles dafür, in dieser Marktphase ruhig, diszipliniert und antizyklisch vorzugehen. Wer investieren möchte, sollte dies eher gestaffelt tun als mit einer Einmalposition. Gleichzeitig eröffnet die hohe implizite Volatilität attraktive Möglichkeiten, über gedeckte Putverkäufe auf ausgewählte Underlyings hohe Prämien zu vereinnahmen und damit einen zusätzlichen Sicherheitspuffer aufzubauen.
Niemand kann den exakten Wendepunkt sicher vorhersagen. Aber genau in solchen Phasen entstehen oft die interessantesten antizyklischen Chancen.
Eckart Keil, OptionEarner.com