Bundesbank-Goldreserven: Forderungen nach Rückholung aus New York werden wieder lauter

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Die Bundesbank sieht sich einmal mehr mit politischen Forderungen konfrontiert, einen größeren Teil der deutschen Goldreserven aus den USA nach Deutschland zurückzuholen. Auslöser ist eine spürbare Verschärfung der transatlantischen Stimmung nach dem jüngsten Streit zwischen Washington und europäischen Partnern rund um Grönland – inklusive Zoll-Drohungen, die auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nachhallten.

Mehrere deutsche Politiker und Vertreter von Verbänden argumentieren, dass die Lagerung eines erheblichen Teils der nationalen Goldbestände bei der Federal Reserve in New York in einer Phase erhöhter geopolitischer Spannungen ein strategisches Risiko darstelle. Die Bundesbank verweist dagegen auf die Sicherheit und Verlässlichkeit ihrer Verwahrstellen und sieht keinen akuten Handlungsbedarf.

Bundesbank-Goldreserven: Ein signifikanter Anteil liegt in den USA

Deutschland verfügt über eine der größten staatlichen Goldpositionen weltweit. Nach Angaben, die in der aktuellen Debatte genannt werden, umfasst der Bestand rund 3.350 Tonnen des Edelmetalls. Ein bedeutender Teil davon – in Berichten ist von knapp einem Drittel bis gut einem Drittel die Rede – wird weiterhin in den Tresoren der Federal Reserve Bank of New York verwahrt.

Die Verteilung der Bestände über mehrere Lagerorte ist dabei seit Jahren bekannt: Ein großer Teil liegt in Frankfurt, weitere Anteile befinden sich in London bei der Bank of England sowie in geringerem Umfang in anderen europäischen Lagerstätten. In der politischen Diskussion geht es weniger um die physische Sicherheit der Lagerorte als um die Frage, ob Deutschland im Konfliktfall jederzeit uneingeschränkten Zugriff auf die außerhalb Europas verwahrten Barren hätte – und welche Signalwirkung eine Rückführung hätte.

Neue Dynamik nach Grönland-Streit: Politiker warnen vor Abhängigkeiten

Den jüngsten Schub erhielt die Diskussion durch den raueren Ton zwischen den USA und Europa im Zusammenhang mit der Diskussion um Grönland. In diesem Umfeld warnen Stimmen aus Politik und Wirtschaft, dass Deutschland seine strategische Handlungsfähigkeit stärken müsse – und dazu gehöre auch die Frage, wo die Bundesbank ihre Goldbestände verwahren lässt.

Ein deutscher Ökonom, der sich in Medien äußerte, hielt es angesichts der geopolitischen Lage für riskant, große Teile des Goldes in den Vereinigten Staaten zu lagern, und regte an, eine Rückholung zu prüfen. Ähnlich äußerte sich der Präsident eines europäischen Steuerzahlerverbandes: Er begründete seine Forderung nach Rückführung vor allem mit der Unberechenbarkeit der US-Politik und der Sorge, Deutschland könne im Ernstfall Schwierigkeiten bekommen, auf seine Reserven zuzugreifen.

Auch aus dem Bundestag kommt Druck. So wird das Gold als Stabilitätsanker beschrieben, der nicht zum Spielball geopolitischer Konflikte werden dürfe. Im Kern steht damit eine Vertrauensfrage: Nicht, ob die Barren in New York sicher verwahrt sind – sondern ob politische Spannungen den praktischen Zugang erschweren könnten, selbst wenn die Eigentumsverhältnisse unstrittig bleiben.

Die Regierungsseite zeigt sich bislang zurückhaltend. Aus dem Umfeld der CDU-geführten Bundesregierung heißt es demnach, eine Rückholung werde derzeit nicht erwogen.

Bundesbank verweist auf Erfahrung – und auf frühere Rückführungen

Die Bundesbank versucht, Sorgen zu dämpfen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte wiederholt, man habe großes Vertrauen in die Verwahrung bei der Federal Reserve in New York und sehe keinen Anlass zur Beunruhigung.

Gleichzeitig ist eine Rückholung von Goldreserven für Deutschland kein Neuland. Bereits ab 2013 hatte die Bundesbank ein Programm umgesetzt, bei dem erhebliche Mengen Gold aus dem Ausland nach Frankfurt verlagert wurden. In offiziellen Angaben ist dokumentiert, dass bis 2020 unter anderem 300 Tonnen aus New York und rund 374 Tonnen aus Paris nach Deutschland transferiert wurden. Dieser historische Kontext wird in der aktuellen Debatte häufig als Beleg herangezogen, dass eine Repatriierung grundsätzlich machbar ist – auch wenn der Umfang, die Bedingungen und die politischen Signale jeweils neu bewertet werden müssten.

Parallel zur Forderung nach vollständiger oder teilweiser Rückführung gibt es zudem Stimmen, die vor allem mehr Transparenz verlangen. So wird etwa gefordert, dass deutsche Vertreter die in New York gelagerten Barren regelmäßig persönlich überprüfen und dokumentieren können. Bereits in früheren Jahren waren ähnliche Wünsche öffentlich diskutiert worden.

Dass die Federal Reserve Bank of New York dabei eine zentrale Rolle spielt, liegt auch an ihrer Funktion als Verwahrstelle für viele Länder: Sie gilt als einer der weltweit größten Gold-Kustoden und lagert Tausende Tonnen für Dutzende ausländische Zentralbanken. Genau diese internationale Verflechtung wird von Kritikern jedoch zunehmend als Argument genutzt, die Bundesbank solle ihre Goldreserven stärker in den eigenen Verantwortungsbereich verlagern, während die Zentralbank selbst weiterhin auf bestehende Verwahrvereinbarungen setzt.

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