Antimon: China beschränkt Export – Westen baut Lieferketten auf, Anleger wittern Chancen

Antimon Symbol Molekül blauer Hintergrund - Rua Gold

Nachdem wir uns gestern den physischen Grundlagen und Einsatzfelder von Antimon gewidmet haben, nimmt sich der heutige Beitrag der politischen Dimensionen der Antimonproblematik an. Im Vordergrund stehen dabei die Fragen: Wer kontrolliert die Verarbeitung? Welche Machtmittel setzt China ein – und wie reagiert der Westen auf diese?

Die Verarbeitung von Antimonerzen zu metallischem Antimon, Antimonoxid und anderen Verbindungen ist ein energieintensiver und technologisch anspruchsvoller Prozess. Weltweit dominiert China die Raffinationskapazitäten mit einem Anteil von über 80 Prozent an der globalen Primärproduktion. Hauptzentren der chinesischen Antimonverarbeitung sind die Provinzen Hunan, Guangxi und Yunnan.

Außerhalb Chinas existieren nur wenige relevante Verarbeitungsstandorte. Russland betreibt eigene Hüttenbetriebe. Diese werden jedoch vorrangig für den Eigenbedarf genutzt. Belgien verfügt mit dem Raffineriestandort Olen, der früher zum Umicore-Konzern gehörte, über europäische Kapazitäten. Ihr Betrieb ist jedoch stark von Rohstoffimporten abhängig. Bolivien und Tadschikistan exportieren überwiegend Erz und Konzentrate, Fertigprodukte exportieren beide Länder im großen Stil nicht. In den USA wurde die heimische Produktion nach und nach eingestellt. Die letzte große Antimonmine im US-Bundesstaat Montana stellte in den 2000er Jahren ihren Betrieb ein.

Für den Westen ist die aktuelle Lage beim Antimon daher alles andere als vorteilhaft, denn die extreme Konzentration der Verarbeitungskapazitäten in China schafft eine gefährliche einseitige Abhängigkeit. Sie ist vor allem mit Blick auf die sicherheitsrelevanten Sektoren wie Verteidigung und Energiespeicherung äußerst bedenklich.

China kann den Westen nicht nur bei den Seltenen Erden am ausgestreckten Arm verhungern lassen

China hingegen ist sich der eigenen Macht in diesem Sektor nur zu gut bewusst und die chinesische Regierung zögert inzwischen nicht mehr, diese Macht auch einzusetzen. Im August 2024 kündigte die kommunistische Führung in Beijing weitreichende Exportbeschränkungen für Antimon und antimonhaltige Verbindungen an, die ab September 2024 in Kraft traten. Betroffen sind unter anderem Antimonmetall, Antimonoxid und Antimonerzkonzentrate. Exporteure benötigen seitdem staatliche Genehmigungen, deren Erteilung an strategische Kriterien geknüpft ist.

Die Motive Chinas sind vielschichtig: Einerseits dienen die Beschränkungen dem Schutz der eigenen Ressourcen, da Chinas Antimonvorkommen beim aktuellem Abbautempo innerhalb weniger Jahrzehnte erschöpft sein könnten. Zum anderen verfolgt Peking das Ziel, die Wertschöpfung im Inland zu steigern. Anstatt Rohstoffe zu exportieren, sollen verarbeitete Produkte mit höherer Marge im Land hergestellt und anschließend auf dem Weltmarkt verkauft werden.

Das dritte Motiv ist geopolitisch am bedeutsamsten: China nutzt Antimon als strategisches Druckmittel im Kontext des eskalierenden Technologie- und Handelskrieges mit den USA und der Europäischen Union. Die Beschränkungen wurden kurz nach verschärften amerikanischen Exportkontrollen für Halbleiter und KI-Technologien angekündigt und sind deshalb als eine gezielte Gegenmaßnahme zu verstehen.

Das Vorgehen der chinesischen Führung reiht sich dabei in ein bewährtes Muster ein: Bereits 2023 hatte China Exportbeschränkungen für Gallium und Germanium verhängt, zwei weitere Schlüsselrohstoffe für die Halbleiterindustrie. Ein Jahr später folgte Antimon, das damit Teil einer bewussten chinesischen Rohstoffstrategie ist, die westliche Hochtechnologiesektoren gezielt unter Druck setzen soll.

Zwischen Panik und neuer Antimonstrategie – Der Westen bemüht sich um eine angemessene Antwort auf die chinesische Bedrohung

Die Reaktionen der westlichen Regierungen auf Chinas Antimon-Exportbeschränkungen sind eine Mischung aus kurzfristiger Alarmierung und mittelfristiger Strategieentwicklung. Unmittelbar nach der Ankündigung stiegen die Antimonpreise an den internationalen Märkten sprunghaft an. Dieser extreme Preisanstieg kann kaum anders denn als deutliches Signal für die Verwundbarkeit der westlichen Lieferketten verstanden werden.

Die Vereinigten Staaten reagierten mit einer Intensivierung ihrer Critical-Minerals-Initiative. Das Energieministerium und das Verteidigungsministerium verabschiedeten Förderprogramme zur Reaktivierung heimischer Bergbauprojekte. In Europa haben die EU-Kommission und einzelne Mitgliedstaaten Notfallprüfungen ihrer Rohstoffabhängigkeiten eingeleitet. Der Critical Raw Materials Act (CRMA) der EU, der 2024 in Kraft trat, sieht explizit Maßnahmen zur Diversifizierung der Versorgung für Antimon und andere kritische Rohstoffe vor.

Gleichzeitig intensivieren westliche Länder die diplomatischen Bemühungen um alternative Lieferanten: Bolivien, Australien, Kanada und verschiedene afrikanische Staaten werden als potentielle Partner gesehen und eine zukünftige Zusammenarbeit mit ihnen wird sondiert. Aber auch Recycling-Programme für antimonhaltige Materialien gewinnen an politischer und wirtschaftlicher Aufmerksamkeit.

Die westlichen Länder müssen einen Fahrplan zur Versorgungssicherheit entwickeln

Um eine eigenständige und gesicherte Antimonversorgung aufzubauen, sind strukturelle Maßnahmen auf mehreren Ebenen erforderlich:

  • Erstens müssen westliche Regierungen in die Erschließung eigener Rohstoffvorkommen investieren. In den USA, Kanada, Australien und mehreren europäischen Ländern wie Schweden und Finnland gibt es bekannte Antimonvorkommen, die aus Kostengründen oder aufgrund von Umweltauflagen bislang nicht abgebaut werden. Ihnen gilt nun das vorrangige Interesse. Staatliche Bürgschaften, beschleunigte Genehmigungsverfahren und direkte Subventionen könnten diese Liegenschaften schneller in Produktion bringen und einen Durchbruch ermöglichen.
  • Zweitens ist der Aufbau eigener Raffinerie- und Verarbeitungskapazitäten unabdingbar. Selbst wenn Erze aus anderen Ländern bezogen werden, bleibt der Westen verletzlich, solange die Verarbeitung des Antimons hauptsächlich in China stattfindet. Die Entwicklung von Hüttentechnologien und die Ansiedlung von Verarbeitungsbetrieben in der EU und den USA sollten deshalb als Aktivitäten mit industriepolitischer Priorität eingestuft werden.
  • Drittens gilt es, bestehende Lieferpartnerschaften mit rohstoffreichen Ländern des Globalen Südens zu vertiefen bzw. neue aufzubauen. Diese Partnerschaften müssen jedoch unter fairen Bedingungen geschlossen werden, die auch die Entwicklungsinteressen der Rohstoffländer berücksichtigen. Partnerschaften mit Bolivien, Tadschikistan oder Namibia sollten langfristig angelegt sein und zusätzlich von Investitionen in die lokale Infrastruktur begleitet werden.
  • Viertens müssen Technologien zur Rückgewinnung von Antimon aus Altmaterial gefördert werden. Das entscheidende Schlagwort ist dabei das sogenannte Urban Mining. Da Antimon in vielen Produkten vorhanden ist, bietet gezieltes Recycling erhebliche Potentiale zur Reduktion des Primärbedarfs an Antimon.
  • Fünftens sollten Forschungsprogramme zur Entwicklung von Substitutionsmaterialien langfristig gefördert werden – auch wenn kurzfristig kein vollständiger Ersatz für Antimon in Sicht ist. Der Aufbau strategischer Reserven ähnlich der Erdölreserven gibt zudem Zeit für strukturelle Anpassungen.

Alles steht und fällt mit dem politischen Willen und der Risikobereitschaft der Investoren

Die Abhängigkeit des Westens von chinesischem Antimon ist kein technisches, sondern ein politisches Problem. Seine Lösung erfordert daher den politischen Willen, eine internationale Kooperation und erhebliche Investitionen. Denn die Alternative, eine anhaltende Verwundbarkeit gegenüber Chinas Rohstoffpolitik, ist auf Dauer keine Option.

Weil die Entwicklung eigener Antimonvorkommen ein zentraler Baustein dieser Abwehrstrategie ist, können weitsichtige Investoren von ihr profitieren, wenn sie sich frühzeitig an der Entwicklung und Erschließung von neuen Antimonprojekten beteiligen. Da das Antimon sehr oft gemeinsam mit dem Gold auftritt, sind einige Goldproduzenten bzw. Goldminenentwickler in der angenehmen Position, die westlichen Staaten möglicherweise aus ihrer Antimonschwäche befreien zu können.

Eines dieser Unternehmen ist Rua Gold (WKN A40QYC / TSX RUA). Das Unternehmen ist an dieser Stelle durchaus typisch, denn man sucht hauptsächlich nach Gold, verfügt aber über Lagerstätten, die von Natur aus auch mit Antimon gesegnet sind. Unternehmen wie diese sollten sich die Investoren anschauen, die vom westlichen Streben nach mehr Unabhängigkeit von China profitieren möchten. Mehr zu dieser spannende Story:

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