Analysten warnen: Lithiumnachfrage explodiert – erste Defizite schon ab 2028 möglich

Lithium Produktion in Südamerika

Die weltweite Lithiumnachfrage könnte nach Einschätzung der Analysten von Wood Mackenzie in den kommenden Jahrzehnten deutlich stärker zulegen als bislang in vielen Basisszenarien angenommen. In seinem aktuellen „Energy Transition Outlook for Lithium“ skizziert das Beratungsunternehmen vier mögliche Entwicklungspfade für den Markt. Je nachdem, wie schnell Regierungen und Industrie die Energiewende vorantreiben, könnte der Bedarf bis 2050 zwischen 5,6 und 13,2 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE) erreichen. Zugleich warnt Wood Mackenzie davor, dass die derzeit bekannten Angebotspläne in mehreren Szenarien nicht ausreichen würden, um den künftigen Bedarf zu decken.

Besonders relevant ist diese Einschätzung, weil sich mögliche Engpässe laut der Analyse früher zeigen könnten als von Teilen des Marktes erwartet. Im ambitioniertesten Szenario, das auf einen Pfad in Richtung Netto-Null-Emissionen abzielt, würden Angebotsdefizite bereits ab 2028 auftreten. Selbst im sogenannten Länderverpflichtungs-Szenario, das von der vollständigen Umsetzung bereits angekündigter nationaler Klimaziele ausgeht, rechnet Wood Mackenzie ab etwa 2029 mit einem Defizit. Damit rückt Lithium als Schlüsselrohstoff für die Energiewende wieder stärker in den Fokus.

Lithium-Nachfrage hängt stark vom Tempo der Energiewende ab

Wood Mackenzie unterscheidet in seiner Studie vier Szenarien. Am unteren Ende steht eine verzögerte Energiewende. Dieses Modell geht davon aus, dass Staaten und Unternehmen ihre Emissionen langsamer senken, Klimapolitik weniger entschlossen ausfällt und saubere Technologien langsamer eingeführt werden. In diesem Fall würde die Nachfrage nach Lithium zwar ebenfalls wachsen, aber deutlich moderater. Für 2050 nennt das Beratungsunternehmen in diesem Szenario 5,6 Millionen Tonnen LCE.

Dem gegenüber steht ein Netto-Null-Szenario, das an einen Entwicklungspfad angelehnt ist, der die globale Erwärmung auf etwa 1,5 Grad Celsius begrenzen soll. Dafür wäre eine schnelle und breite Dekarbonisierung in den Bereichen Energie, Verkehr und Industrie erforderlich. Entsprechend hoch fällt in diesem Modell der Rohstoffbedarf aus: Bis 2050 könnte die Nachfrage auf 13,2 Millionen Tonnen LCE steigen und damit mehr als doppelt so hoch liegen wie in den Basisschätzungen.

Auch zwischen diesen beiden Polen sieht Wood Mackenzie bereits erhebliche Spannungen am Markt. Im Basisszenario reichen bestehende Projekte demnach voraussichtlich nicht aus, um den Bedarf über die Mitte der 2030er-Jahre hinaus zu decken. Das verweist laut der Studie auf einen anhaltenden Investitionsbedarf in Bergbau, Raffination und regionale Lieferketten. Entscheidend sei dabei nicht nur die Menge der zusätzlich erschlossenen Produktion, sondern auch der Zeitpunkt, zu dem neue Kapazitäten verfügbar werden.

Elektroautos bleiben der wichtigste Treiber für Lithium

Den größten Beitrag zur künftigen Lithiumnachfrage sieht Wood Mackenzie weiterhin bei Elektrofahrzeugen. Je nach Szenario sollen E-Autos zwischen 72 und 80 Prozent des gesamten Lithiumverbrauchs ausmachen. Im Szenario der staatlichen Verpflichtungen würde die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen bis 2040 auf etwa 75 Prozent steigen. Im Netto-Null-Szenario liegt dieser Wert sogar bei 95 Prozent.

Noch deutlicher wird die Bedeutung des Batteriemarkts beim Blick auf die Gesamtanwendungen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen wiederaufladbare Batterien über alle Einsatzbereiche hinweg 96 bis 98 Prozent des gesamten Lithiumverbrauchs auf sich vereinen. Das unterstreicht die zentrale Rolle, die der Rohstoff im Zuge der Elektrifizierung und Dekarbonisierung einnimmt.

Neben Elektrofahrzeugen verweist Wood Mackenzie auch auf Energiespeichersysteme als zusätzlichen Nachfragetreiber. Dieser Bereich werde zwar häufig weniger beachtet, könne aber in den kommenden Jahren deutlich an Gewicht gewinnen. Hintergrund ist der wachsende Anteil erneuerbarer Energien am Strommix. Je mehr neue Kapazitäten aus Wind- und Solarenergie hinzukommen, desto wichtiger werden flexible Speicherlösungen für die Stabilisierung der Netze. Für diesen Bereich erwartet die Studie ein jährliches Nachfragewachstum von sechs bis sieben Prozent.

Recycling hilft langfristig, löst aber das kurzfristige Problem nicht

Beim Thema Versorgung verweist Wood Mackenzie darauf, dass Recycling zwar an Bedeutung gewinnen werde, kurzfristige Engpässe jedoch kaum ausgleichen könne. Das Angebot aus recyceltem Material soll im Zeitverlauf um 13 bis 16 Prozent pro Jahr wachsen. Größere Mengen werden nach Einschätzung der Analysten allerdings erst in den 2040er-Jahren verfügbar, wenn ein größerer Bestand an Batterien aus Elektrofahrzeugen das Ende seiner Lebensdauer erreicht.

Bis 2050 könnte Recycling in ambitionierteren Übergangsszenarien zwischen 2,3 und 2,7 Millionen Tonnen LCE beitragen. Das ist ein spürbarer Beitrag, reicht laut der Studie aber nicht aus, um die Versorgungslücke in den kommenden Jahren zu schließen. Der Markt bleibt somit zunächst stark auf neue Minen, zusätzliche Raffinationskapazitäten und robustere Lieferketten angewiesen.

Gerade hier sieht Wood Mackenzie den größten Handlungsbedarf. Im verzögerten Übergangsszenario beziffert das Unternehmen den gesamten Investitionsbedarf auf rund 104 Milliarden US-Dollar. Im Basisszenario steigt dieser Wert auf etwa 114 Milliarden US-Dollar. Im Szenario der staatlichen Zusagen wären bereits rund 236 Milliarden US-Dollar nötig, während im Netto-Null-Szenario Investitionen von bis zu 276 Milliarden US-Dollar erforderlich werden könnten. Die höchste Investitionsdynamik erwartet die Studie zwischen 2030 und 2034.

Versorgungslücke bei Lithium könnte ab 2028 sichtbar werden

Unterm Strich kommt Wood Mackenzie in allen Szenarien zu einer ähnlichen Kernaussage: Lithium bleibt ein unverzichtbarer Rohstoff der Energiewende, doch die derzeitigen Angebotspläne reichen nicht aus, um den künftig erwarteten Bedarf vollständig zu decken. Der Unterschied zwischen den Szenarien liegt vor allem darin, wie früh und wie ausgeprägt die Engpässe sichtbar werden.

Im verzögerten Übergangsszenario bleibt der Markt laut Studie noch bis 2037 ausreichend versorgt, bevor ein Defizit entsteht. Im Szenario der bestehenden nationalen Klimaverpflichtungen zeigen sich Defizite dagegen bereits um 2029. Bis 2050 wären dort zusätzliche 6,7 Millionen Tonnen LCE erforderlich. Im Netto-Null-Szenario beginnt die Unterversorgung schon 2028 und hält laut Wood Mackenzie bis zur Mitte des Jahrhunderts an. In diesem Fall müssten bis 2050 zusätzliche 8,5 Millionen Tonnen LCE bereitgestellt werden.

Damit verschiebt sich die Diskussion im Lithium-Markt zunehmend von der Frage nach dem grundsätzlichen Bedarf hin zur Frage, ob die Branche schnell genug Kapital mobilisieren und neue Kapazitäten schaffen kann. Zugleich macht die Studie deutlich, dass neben dem globalen Nachfragewachstum auch regionale Marktstrukturen und fragmentiertere Handelsbeziehungen an Bedeutung gewinnen. Für den Markt bedeutet das: Nicht nur die Menge an Lithium zählt, sondern auch, wo und wie und besonders wie schnell neue Versorgung aufgebaut wird.

Lithiumentwickler Controlled Thermal Resources mit Milliarden Dollar schwerem Börsengang

Wie sehr das lange vernachlässigte Thema Lithium wieder im Interesse der Märkte steht ist auch daran zu erkennen, dass Lithiumentwickler Controlled Thermal Resources (CTR) in den USA durch einen Zusammenschluss im Wert von 4,7 Milliarden Dollar mit der Blankoscheck-Firma Plum Acquisition Corp IV an die Börse gehen will.

Die Transaktion ermöglicht es CTR, sein Vorzeigeprojekt Hell’s Kitchen weiter voranzutreiben und mit der ersten Bauphase zu beginnen, teilte der Entwickler von Lithium- und Geothermie-Energieprojekten mit.

Die erste Bauphase des Projekts befindet sich im Imperial Valley in Kalifornien und soll eine Lithiumcarbonat-Produktionskapazität von bis zu 25.000 Tonnen pro Jahr, eine 50-MW-Anlage für saubere Energie sowie die Produktion weiterer wichtiger Mineralien umfassen. Das Unternehmen hat bis heute private Investitionen in Höhe von mehr als 285 Millionen Dollar für das Hell’s Kitchen-Projekt gesichert.

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