Nach einem turbulenten Jahresstart scheinen sich die Rohstoffmärkte aus Sicht der UBS zu stabilisieren – ohne dass die grundlegenden Preistreiber verschwunden wären. Die Analysten verweisen in einem aktuellen Rohstoff-Update darauf, dass Edelmetalle, Öl und Industriemetalle trotz hoher Schwankungen im Januar insgesamt zulegen konnten. Mit nachlassender Volatilität, so die Argumentation, würden dann die Fundamentaldaten wieder stärker in den Vordergrund treten– insbesondere bei Gold, aber auch bei Kupfer und Aluminium. Damit vertritt die UBS eine grundsätzlich andere Meinung als die Analysten der HSBC, die von einer anhaltend hohen Volatilität zumindest bei Gold ausgehen.
Die Experten beschreiben die Entwicklung so: Politische, geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten hätten die Nachfrage nach „sicheren Häfen“ angekurbelt und damit die Edelmetallpreise im Januar gestützt. Gleichzeitig habe Kupfer Ende Januar ein Rekordniveau erreicht und anschließend konsolidiert. Beim Öl hätten kurzfristige Angebotsstörungen – unter anderem in den USA und Kasachstan – zusammen mit einem schwächeren US-Dollar und Spannungen im Nahen Osten für Rückenwind gesorgt. Unter dem Strich ergibt sich für UBS ein Bild, in dem die kurzfristige Nervosität zwar abnimmt, die mittelfristigen Treiber jedoch intakt bleiben.
UBS: Sinkende Volatilität rückt Fundamentaldaten wieder in den Fokus
Der Ton des Updates ist klar: Die UBS erwartet, dass Rohstoffe 2026 in Portfolios eine größere Rolle spielen könnten – getragen von klassischen Faktoren wie Angebot und Nachfrage, aber auch von längerfristigen Strukturtrends. Man nennt dabei explizit Ungleichgewichte zwischen Produktion und Bedarf, geopolitische Risiken sowie die globale Energiewende als Themen, die in den kommenden Monaten immer wieder auf die Preise durchschlagen könnten.
Bemerkenswert ist, dass UBS die Januarbewegungen nicht als isoliertes Ereignis betrachtet. Stattdessen wird der Monat als Beispiel dafür genutzt, wie schnell sich Stimmungs- und Nachrichtenlage in Rohstoffen in starke Ausschläge übersetzen können – und wie rasch sich diese Ausschläge wieder normalisieren, sobald akute Auslöser an Bedeutung verlieren. Genau in dieser Übergangsphase, in der die Märkte „ruhiger“ wirken, sieht die Bank den Punkt gekommen, an dem die eigentlichen Fundamentaldaten den Takt vorgeben.
In diesem Rahmen ordnet man auch die Preisbewegungen quer über die Rohstoffpalette ein: Edelmetalle hätten von Sicherheitsbedürfnissen profitiert, Kupfer von einem engen Marktumfeld, Öl von temporären Lieferunterbrechungen. Die UBS sieht also die jüngsten Entwicklungen nicht als reines Zufallsprodukt eines volatilen Monats, sondern als Bewegung, die auf mehreren, teils strukturellen Säulen steht.
Gold-Prognose deutlich angehoben: UBS nennt 6.200 US-Dollar zur Jahresmitte
Den Schwerpunkt setzt UBS eindeutig bei Gold. Die Experten erwarten, dass Gold seinen Aufwärtstrend wieder aufnimmt und bis zur Jahresmitte in Richtung 6.200 US-Dollar je Unze steigen kann. Als Treiber nennt man eine Kombination aus Nachfrage durch Zentralbanken und Investoren, hohe Fiskaldefizite, niedrigere inflationsbereinigte US-Zinsen (Realzinsen) sowie anhaltende geopolitische Risiken. Gold erscheint in dieser Argumentation weniger als kurzfristiges Momentum-Thema, sondern als „Portfolio-Baustein“, der vor allem in Phasen erhöhter Unsicherheit nachgefragt wird.
Auffällig ist auch der Vergleich zur Prognose vom Monatsanfang: Am 5. Januar hatte die UBS noch formuliert, dass Zentralbankkäufe, steigende Defizite, niedrigere US-Zinsen und geopolitische Risiken Gold bis zum Ende des ersten Quartals auf 5.000 US-Dollar tragen könnten. Das neue Ziel von 6.200 US-Dollar zur Jahresmitte ist damit eine klare Aufwärtsanpassung innerhalb kurzer Zeit. Das is ein Signal, wie stark die UBS die aktuellen Rahmenbedingungen inzwischen gewichtet – und dass die Bank die Faktoren hinter dem Goldmarkt als robust einschätzt.
Kupfer, Aluminium und Öl: Engpässe und Strukturtrends als gemeinsame Klammer
Neben Gold rückt UBS auch Industriemetalle in den Vordergrund. Die Analysten sprechen davon, dass bei Kupfer und Aluminium weitere Angebotsengpässe erwartet werden, die die Preise mittelfristig stützen könnten. Langfristig sieht er die Nachfrage zudem durch strukturelle Entwicklungen wie die Elektrifizierung getragen. In dieser Logik passen Kupfer und Aluminium in ein Bild, in dem der Bedarf aus Industrie, Infrastruktur und Energiewende auf Märkte trifft, die nicht beliebig schnell zusätzliche Mengen bereitstellen können.
Beim Öl verweist die Großbank auf die Ereignisse im Januar: kurzfristige Versorgungsstörungen in den USA und Kasachstan sowie ein schwächerer Dollar hätten die Preise gestützt; zudem nennt man geopolitische Spannungen im Nahen Osten als begleitenden Faktor. Die Botschaft ist weniger eine Aussage über einen einzelnen Preispunkt als vielmehr der Hinweis, dass Rohstoffe – egal ob Edelmetall, Industriemetall oder Energie – 2026 anfällig für Nachrichten- und Angebotsimpulse bleiben.
In Summe zeichnet UBS damit ein Rohstoffbild, das auf zwei Ebenen funktioniert: kurzfristig können politische Ereignisse und Lieferstörungen starke Bewegungen auslösen; mittelfristig wirken strukturelle Faktoren wie Defizite, Investitionszyklen und Elektrifizierung. Für Gold übersetzt sich das in eine deutlich angehobene Zielmarke, für Kupfer und Aluminium in die Erwartung, dass ein enger Markt das Preisniveau stützt. Die Kernaussage des Updates lautet: Wenn die aktuelle Volatilität weiter nachlässt, könnten genau diese Fundamentalfaktoren wieder stärker den Ton angeben – mit UBS klar auf der Seite eines grundsätzlich unterstützenden Umfelds für Gold und ausgewählte Schlüsselrohstoffe.