Gold aber auch Silber haben zuletzt neue Rekordstände erreicht – befeuert durch politische Spannungen in den USA und die Debatte um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Doch aus Sicht der Analysten von TD Securities, ist das Chance-Risiko-Profil für Gold inzwischen ausgewogener als seit Langem. Gleichzeitig hält TD Securities die Platingruppenmetalle (PGM) für besser positioniert als Gold und Silber.
Auslöser der jüngsten Marktbewegungen waren laut TDS die Reaktionen auf die in dieser Woche bekannt gewordenen Vorwürfe der Trump-Administration gegen Fed-Chef Jerome Powell. Die Experten verwiesen aber darauf, dass klassische Stressindikatoren bislang kaum Ausschläge gezeigt hätten: Weder habe es eine erkennbare Panik bei ausländischen Haltern von US-Staatsanleihen gegeben, noch seien die kurzfristigen Renditen oder der Term Premium deutlich gestiegen. Auch am Devisenmarkt sei die Bewegung überschaubar geblieben. „Bewegt“ habe sich vor allem der Edelmetallkomplex – und damit erneut Gold.
TD Securities: Warum Gold als „Debasement-Trade“ anders funktioniert
TDS begründet die jüngste Stärke damit, dass Gold als Anlage am besten geeignet sei, von einem Vertrauensverlust in die Werterhaltungsfunktion des US-Dollars zu profitieren. Genau dieses Narrativ habe den Markt im vergangenen Jahr geprägt. Zugleich warnt er jedoch: Damit verändere sich auch die Mechanik des Goldmarkts selbst.
Denn der Preisanstieg sei weniger eine Fortsetzung der bislang dominierenden Nachfragewelle der Zentralbanken, sondern zunehmend ein „Debasement-Trade“ – also eine Positionierung auf die Entwertung realer Kaufkraft, die nun an einem möglichen Wendepunkt angekommen sein könne. Die Analysten betonte in dem Zusammenhang, dass das Vertrauen in US-Institutionen zwar „gebogen“, aber nicht „gebrochen“ sei. In politischen und juristischen Auseinandersetzungen könne sich dieses Vertrauen auch wieder zugunsten der Institutionen verschieben.
Als besonders relevant hob er eine anstehende Entscheidung des Supreme Court hervor, die klären soll, ob die Trump-Administration den Abgang der amtierenden Fed-Gouverneurin Lisa Cook erzwingen kann. Ein solches Urteil könne – so Ghali – deutlich größere Auswirkungen haben als das bisher beobachtete Nachrichtenrauschen und damit auch den US-Dollar stärker bewegen. In dieser Konstellation wird der Goldmarkt nach Einschätzung von TD Securities empfindlicher für Stimmungswechsel.
Goldpreis Richtung 5.000 Dollar – aber mit Korrekturpotenzial
TD Securities hält ein Niveau von 5.000 US-Dollar je Unze grundsätzlich für erreichbar. Man argumentiert, dass die Volatilität bei Gold zuletzt deutlich gestiegen sei und die Distanz zu dieser Marke daher nicht mehr so groß wirke wie in ruhigeren Marktphasen. Entscheidend sei jedoch: Der „Debasement“-Trend könne sich 2026 einerseits weiter verstärken – er könne sich aber ebenso gut umkehren.
Genau daraus leitet TD Securities die „zweiseitigen“ Risiken ab, die man so ausdrücklich betont. Ein zentraler Punkt: Gold sei nicht länger ein Randthema in Portfolios. Er verwies darauf, dass institutionelle Investoren inzwischen in hohem Maße in physisch besicherte Gold-ETFs engagiert seien. Das habe in der Aufwärtsphase geholfen – könne im Gegenzug aber auch bedeuten, dass eine Stimmungswende zu einem stärkeren Rücksetzer führt als in früheren Zyklen, als die institutionelle Positionierung geringer war.
TDS ordnet die Entwicklung zudem ein: In den 1970er-Jahren sei die Entwertung stark marktgetrieben gewesen, begleitet von hoher Inflation. Heute dagegen sei die Inflation zuletzt eher rückläufig und durch Markterwartungen gut eingehegt; auch Inflations-Breakevens signalisierten derzeit keine ausgeprägte Angst vor einem Wiederaufflammen. Der Treiber der letzten Monate sei damit vor allem ein Vertrauensfaktor gewesen – und Vertrauen könne sich schneller drehen als klassische fundamentale Angebots- und Nachfrageverhältnisse.
Platingruppenmetalle rücken in den Vordergrund
Vor diesem Hintergrund positioniert sich TD Securities aktuell neutral zu Gold auf dem bestehenden Preisniveau. Gleichzeitig sieht er „weitere Chancen“ eher bei anderen Edelmetallen als bei Gold und Silber – insbesondere bei den Platingruppenmetallen. Damit verschiebt TD Securities den Blick innerhalb des Edelmetallkomplexes: Weg von der reinen Fortsetzung des Goldnarrativs, hin zu Metallen, die aus Sicht des Strategen besser für deutliche Zugewinne aufgestellt sind.
Damit bleibt Gold zwar ein sensibler Indikator für politische und institutionelle Vertrauensfragen in den USA. Doch je stärker Gold in den Mainstream institutioneller Portfolios gerückt ist, desto stärker kann eine Veränderung der Stimmung in beide Richtungen durchschlagen. TD Securities sieht damit für Gold nicht mehr nur das Szenario anhaltender Zugewinne, sondern eine Phase, in der Aufwärts- und Abwärtsbewegungen gleichermaßen plausibel geworden sind – und in der andere Edelmetalle zunehmend Aufmerksamkeit erhalten.