7.465 Tonnen: Dreht Morgan Stanleys 20%-Regel den Goldmarkt?

Gold steigt wieder Goliath

Der Goldpreis unterbrach im Oktober seine steile Rallye und fiel anschließend zurück, nicht dramatisch, aber zumindest in den ersten Tagen wirkte der Kursrückgang durchaus wie ein kleiner Crash. Viele Investoren stellen sich seitdem die Frage, wie tief die Korrektur noch reichen kann. Einige sind sogar überzeugt, dass der vorangegangene Kursanstieg eine Blase war, die nun geplatzt ist.

Kurz bevor der Goldpreis zu seiner überfälligen Konsolidierung ansetzte, ließ die US-Investmentbank Morgan Stanley aufhorchen, denn niemand geringeres als ihr oberster Portfoliomanager verkündete, dass es angemessen sei, die übliche Regel, die Depots zu 60 Prozent mit Aktien und zu 40 Prozent mit Anleihen zu bestücken durch eine neue 60:20:20 Regel zu ersetzen.

Nach dieser neuen Regel rät Morgan Stanley seinen Kunden, 60 Prozent ihres Vermögens in Aktien, nur noch 20 Prozent in Anleihen und 20 Prozent in Gold zu halten. 20 Prozent Gold, das ist durchaus eine Hausnummer, vor allem dann, wenn das Gold physisch in Form von Münzen und Barren gehalten wird und nicht als Papiergold.

7.465 Tonnen Gold allein für Morgan Stanley

Zwar ist nicht davon auszugehen, dass alle Morgan Stanley Kunden sofort die neue Regel 1:1 in ihren Depots umsetzen werden. Aber ein gewisser Teil der Kunden dürfte den Empfehlungen der Bank schon folgen und auch Anleger, die ihr Vermögen von einer anderen Bank verwalten lassen, könnten durch den Vorstoß von Morgan Stanley dazu bewogen werden, in ihrem Portfolio Veränderungen zugunsten eines höheren Goldanteils vorzunehmen.

Zu erwarten ist damit, dass der Goldanteil in den Depots der Anleger in den kommenden Jahren deutlich steigt. Was derzeit noch niemand weiß, ist wie schnell und wie zahlreich die Anleger dieser Anregung folgen. Nehmen wir zur Vereinfachung deshalb einmal an, dass alle Morgan Stanley Kunden ihre Depots in den nächsten drei Jahren nach der neuen Regel strukturieren werden und die Kunden aller anderen Banken nichts tun werden.

In diesem Fall sind von der Veränderung lediglich die 4,8 Billionen US-Dollar betroffen, die Morgan Stanley für seine Kunden verwaltet. Damit müssten nach der neuen Regel 960 Milliarden US-Dollar in Gold angelegt werden. Wird dieses Gold zu den heutigen Preisen gekauft, entspricht dies trotz des jüngsten Preisrückgangs einem Bedarf von 240 Millionen Unzen. Das sind umgerechnet 7.465 Tonnen Gold.

Trotz des Rücksetzers liegt Gold 2025 noch rund 52% vorn; Quelle: TradingView
Trotz des Rücksetzers liegt Gold 2025 noch rund 52% vorn; Quelle: TradingView

Der Effekt der Goldkäufe der Notenbanken wird verdoppelt

7.465 Tonnen Gold sind bei einer jährlichen Goldproduktion der Minen von rund 2.700 Tonnen und zusätzlich etwa 300 Tonnen Recyclinggold für den Goldmarkt alles andere als eine leicht zu bewältigende zusätzliche Nachfrage. Dies gilt auch dann, wenn man davon ausgeht, dass das Gold gestreckt über einen Zeitraum von drei Jahren gekauft wird.

Was ein solche Nachfrage für den Goldmarkt bedeuten könnte, zeigt der Rückblick auf die vergangenen drei Jahre. In diesen haben die Notenbanken ihre Goldkäufe massiv intensiviert. Sie haben insgesamt seit 2022 rund 3.000 Tonnen Gold gekauft und mit ihren Käufen maßgeblich dazu beigetragen, dass der Goldpreis von etwa 2.000 auf über 4.300 US-Dollar je Feinunze angestiegen ist.

Vor dem Hintergrund dieser historischen Entwicklung und mit dem Wissen wie viel Geld allein Morgan Stanley verwaltet kann sich jeder Investor nun selbst die Frage beantworten, was wohl passieren wird, wenn am Goldmarkt in den nächsten drei Jahren zusätzlich zur anhaltenden Goldnachfrage der Notenbanken durch die Kunden von Morgan Stanley weitere 7.465 Tonnen Gold vom Markt genommen werden.

Das Spektrum der möglichen Antworten wird sich zwischen den beiden Extremen „die Goldblase platzt trotzdem“ und „der Goldpreis wird nochmals deutlich extremer steigen als in den letzten drei Jahren“ bewegen. Wobei eine zusätzliche Goldnachfrage, die mehr als doppelt so hoch ist wie die Nachfrage der Zentralbanken die zuletzt genannte Antwort deutlich begünstigen sollte.

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